Zusammenfassung Human Sippel PDF - Wirtschaftsgeographie

Summary

Diese Zusammenfassung der Wirtschaftsgeographie beleuchtet die Definition, Kritik und Entwicklung des Fachgebiets. Es werden Schlüsselkonzepte und historische Entwicklungen in der Wirtschaftsgeographie diskutiert. Die PDF-Datei behandelt Themen wie Econocracy, BIP und Doughnut Economics.

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1. De nition und Annäherung Wirtschaftsgeographie wird als ein Teilbereich der Humangeographie betrachtet, der sich mit der Beschreibung und Erklärung der vielfältigen Orte und Räume befasst, in denen wirtschaftliche Aktivitäten statt nden und z...

1. De nition und Annäherung Wirtschaftsgeographie wird als ein Teilbereich der Humangeographie betrachtet, der sich mit der Beschreibung und Erklärung der vielfältigen Orte und Räume befasst, in denen wirtschaftliche Aktivitäten statt nden und zirkulieren. Sie untersucht die absolute und relative Lage wirtschaftlicher Aktivitäten sowie die Informations-, Rohstoff-, Güter- und Personenströme, die verschiedene lokale, regionale und nationale Wirtschaften verbinden. Die Disziplin befasst sich mit konkreten Fragen zur Lage und Verteilung wirtschaftlicher Aktivitäten, der Rolle ungleichmäßiger geogra scher Entwicklung und den Prozessen lokaler und regionaler wirtschaftlicher Entwicklung. Wirtschaftsgeographie untersucht das Verhältnis von Wirtschaft und Raum und bemüht sich um eine Synthese von Wirtschaftsforschung und geogra scher Forschung, wobei die Wirkung natürlicher Raumfaktoren auf wirtschaftliches Handeln besonders beachtet wird. 2. Kritik und Erweiterung des Wirtschaftsbegriffs Traditionell wurde die Wirtschaftsgeographie von einem eher starren, "konservativen" Wirtschaftsverständnis geprägt, das Produktion, den Globalen Norden und Männer in den Vordergrund stellte. Gängige De nitionen von Wirtschaft werden oft als begrenzt und limitierend angesehen. Es wird argumentiert, dass der Gegenstand der Wirtschaftsgeographie nicht als gegeben hingenommen, sondern selbst hinterfragt werden sollte. Ein neueres Verständnis sieht Wirtschaftsgeographie als eine analytische Aufmerksamkeit und erklärende Betonung der substanziellen Bedeutung von Raum, Ort, Maßstab, Landschaft und Umwelt in Bezug auf als "wirtschaftlich" angesehene Prozesse. Was als "Wirtschaft" gilt, ist sozial konstruiert und spiegelt andere Aspekte unserer Kultur/Gesellschaft wider. Jüngere Erweiterungen der Wirtschaftsgeographie umfassen die Einbeziehung von Gender- Aspekten, die räumliche Ausdehnung auf den Globalen Norden/Süden und die Au ösung von Binaritäten (Wirtschaft vs. Kultur, Natur, Gesellschaft). 3. Historischer Abriss der Wirtschaftsgeographie Die Wirtschaftsgeographie ist eine Er ndung, die die Welt neu geformt hat. Aktivitäten, die wir heute als "wirtschaftsgeographisch" betrachten, existieren schon lange, konnten aber nicht als solche identi ziert werden, da die Idee der "Wirtschaftsgeographie" und ihre Terminologie und Analyseperspektiven noch nicht existierten. Die Entstehung der Wirtschaftsgeographie erfolgte im Verlauf des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Voraussetzungen für die Entstehung waren die Existenz von Konzepten wie Gesellschaft, Wirtschaft und Nation, die Herausbildung der Sozialwissenschaften und das Streben der Nationalstaaten nach Kontrolle und Management. Die Entwicklung der Wirtschaftsgeographie ist keine unschuldige Geschichte, sondernRe ektiert Machtbeziehungen, ökonomische Ungleichheiten, rassistische Theorien und imperiale Bestrebungen. Phasen der Wirtschaftsgeographie: ◦ Handelsgeographie & Umweltdeterminismus. ◦ Regionale Geographie. ◦ Raumwissenschaft & Standorttheorie. ◦ Radikale Geographie. ◦ Poststrukturalistische Geographie. fi fl fi fi fi fi fi fi fl 4. Schlüsselkonzepte und Perspektiven Econocracy: Eine Gesellschaft, in der politische Entscheidungen von Bedenken über ihre Auswirkungen auf "die Wirtschaft" geprägt sind, wobei die Wirtschaft als separates System betrachtet wird, das Experten zur Aufrechterhaltung und zum Management benötigt. BIP (Bruttoinlandsprodukt): Ein Maß für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum, das jedoch technische, de nitorische und wertbasierte Herausforderungen birgt. Es ist eine soziale Konstruktion mitRevisionen und Wertentscheidungen darüber, was wichtig ist. Doughnut Economics: Ein Ansatz, der darauf abzielt, wirtschaftliches Denken neu zu gestalten, um soziale und ökologische Herausforderungen anzugehen, indem ein "sicherer und gerechter Raum für die Menschheit" angestrebt wird, der auf einer regenerativen und distributiven Wirtschaft basiert. Angebots- und Nachfrage: Ein zentrales Konzept in den Wirtschaftswissenschaften, dessen Problematik diskutiert wird. Ungleiche Entwicklung: Resultat des kapitalistischen Wirtschaftssystems und des Strebens nach Akkumulation von Wohlstand, was zu räumlich und zeitlich ungleicher Entwicklung führt. Wirtschaft & Natur: Au ösung der Binarität von Wirtschaft und Natur durch politische Ökologie, die Umweltveränderungen als Ergebnis politischer, gesellschaftlicher und historischer Prozesse betrachtet. Gender, Race & Identitäten: Untersuchung der Ver echtungen von Wirtschaft mit Gender, Race und Identitäten, wobei betont wird, dass Wirtschaft ein soziales Phänomen ist, das durch Ungleichheiten auf multiplen Ebenen gekennzeichnet ist. 5. Handwerkszeug und Handlungsebenen Um Gesellschaft zu verstehen, sind Elemente, Strukturen, Prozesse und Kon ikte zu berücksichtigen. Handlungsebenen umfassen Lokales, Regionales, Nationales und Globales. Die W-Fragen (Wer bekommt was, wann, warum – und wer nicht?) sind zentral. Diese Zusammenfassung bietet einen umfassenden Überblick über die Wirtschaftsgeographie, ihre Entwicklung und ihre zentralenFragestellungen. 1. Neude nition von "Wirtschaft": Die Vorlesungsmaterialien fordern eine kritische Auseinandersetzung mit dem traditionellen Verständnis von "Wirtschaft". Anstatt "die Wirtschaft" als eine monolithische, objektiv messbare Einheit zu betrachten, wird sie als eine soziale Konstruktion dargestellt, die durch Machtverhältnisse, Wertentscheidungen und historische Kontexte geprägt ist. Zitat: "The economy can speed up, slow down, improve, decline, crash or recover, but no matter what it does it must remain at the centre of political attention” (Earle et al. 2017, S. 7) - Dieses Zitat verdeutlicht, wie stark die "Wirtschaft" im Zentrum der politischen Aufmerksamkeit steht, ohne dass ihr Wesen oft hinterfragt wird. Zitat: “… we need to have a less ‘economic’ understanding of the economy and develop an economic geography perspective that recognizes the huge on-the-ground variability and complexity to what fi fl fl fi fl we call ‘the economy’ …” (Coe et al. 2020, S. 38) – Hier wird gefordert, die Wirtschaft weniger "ökonomisch" zu verstehen und stattdessen die Vielfalt und Komplexität vor Ort anzuerkennen. 1. Kritische Auseinandersetzung mit dem BIP (Bruttoinlandsprodukt): Das BIP wird als eine zentrale Messgröße für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft dargestellt, aber gleichzeitig werden seine methodischen, de nitorischen und wertbasierten Herausforderungen betont. Zitat: "[...] die Wirtschaft wird über Formeln und Zahlen 'berechnet' – diese sind häu g komplex und schwer nachvollziehbar Þ Statistische Formeln wirken als Machtinstrumente (nur von 'Experten' beherrscht) Þ Aber: Ergebnis sozialer Konstruktion – und deren stetiger Revision und Rekonstruktion" - Hier wird kritisiert, dass statistische Formeln als Machtinstrumente wirken und die "Wirtschaft" als eine soziale Konstruktion dargestellt wird. Probleme mit dem BIP umfassen: Technische Herausforderungen bei Vergleichen über Zeit und Raum. De nitorische Herausforderungen, da wichtige Bereiche wie Hausarbeit, informeller Sektor oder illegale Aktivitäten oft nicht einbezogen werden. Wertbasierte Herausforderungen, da das BIP nicht Aspekte wie Wohlbe nden, Glück oder Nachhaltigkeit misst und umweltschädliche Aktivitäten sogar "positiv" zum BIP beitragen. Alternative Indikatoren wie der UNDP Human Development Index und der OECD Better Life Index werden als mögliche Ergänzungen oder Alternativen genannt. 1. Doughnut Economics als alternatives Wirtschaftsmodell: Das Konzept der "Doughnut Economics" von Kate Raworth wird vorgestellt, das darauf abzielt, einen "sicheren und gerechten Raum für die Menschheit" zu scha en, der sowohl die ökologischen Grenzen des Planeten respektiert als auch die sozialen Grundlagen für alle Menschen gewährleistet. Die "Doughnut" besteht aus einem "Social Foundation"-Kreis (z.B. Gesundheit, Bildung, Wohnen, Gleichheit) und einem "Ecological Ceiling"-Kreis (z.B. Klimawandel, Verschmutzung, Verlust der Artenvielfalt). Das Ziel ist es, innerhalb dieser beiden Kreise zu wirtschaften, um weder die sozialen Grundlagen zu untergraben noch die ökologischen Grenzen zu überschreiten. 1. De nitionen und Perspektiven der Wirtschaftsgeographie: Die Wirtschaftsgeographie wird als ein Teilbereich der Humangeographie de niert, der sich mit der Beschreibung und Erklärung der räumlichen Dimensionen wirtschaftlicher Prozesse und Aktivitäten befasst. fi fi fi fi fi fi ff Es wird betont, dass die Wirtschaftsgeographie historisch von einem eher rigiden, "konservativen" Wirtschaftsverständnis geprägt war, das sich auf Produktion, den Globalen Norden und Männer konzentrierte. Neuere Ansätze in der Wirtschaftsgeographie beziehen jedoch auch Gender-Aspekte, die räumliche Ausdehnung (Global Nord/Süd) und die Au ösung von Binaritäten (Wirtschaft vs. Kultur, Natur, Gesellschaft) ein. Zitat: "Economic geography should be concerned with examining places in terms of the natural advantages that they possess for the supply of a particular market. By natural advantages are meant such as these – a favourable soil and climate, the existence of facilities for communication external and internal so far as these lie in the nature of the surface and physical features, the existence of valuable minerals in favourable situations and so on.” (Chisholm 1889, S. 1) – Dieses Zitat aus der Handelsgeographie verdeutlicht, wie die Wirtschaftsgeographie einst von der Annahme geprägt war, dass die physische Umwelt die wirtschaftlichen Aktivitäten an einem Ort bestimmt. 1. Historischer Abriss der Wirtschaftsgeographie: Die Vorlesungsmaterialien geben einen Überblick über die Entwicklung der Wirtschaftsgeographie als Disziplin, von der Handelsgeographie und dem Umweltdeterminismus über die regionale Geographie und die Raumwissenschaft bis hin zur radikalen Geographie und der poststrukturalistischen Geographie. Es wird betont, dass die Wirtschaftsgeographie nicht ohne Kontext entstanden ist, sondern im Zusammenspiel von gesellschaftlichen, politischen, geopolitischen, wirtschaftlichen und institutionellen Interessen. Die historische Entwicklung der Wirtschaftsgeographie spiegelt die jeweiligen gesellschaftspolitischen Realitäten, Herausforderungen, Annahmen und Projekte wider. 1. Ansätze und Perspektiven der Wirtschaftsgeographie: Die Vorlesungsmaterialien stellen verschiedene Ansätze und Perspektiven der Wirtschaftsgeographie vor, darunter: Ungleiche Entwicklung: Die ungleiche Entwicklung wird als Resultat des kapitalistischen Wirtschaftssystems und des Strebens nach Akkumulation von Wohlstand betrachtet. Wirtschaft & Natur: Die Binarität zwischen Wirtschaft und Natur wird aufgehoben, und die Natur wird als handlungsmächtig betrachtet. Gender, Race & Identitäten: Die Bedeutung von Gender, Race und Identitäten für wirtschaftliche Prozesse und Aktivitäten wird betont. Wichtigste Ideen/Fakten: Das traditionelle Verständnis von "Wirtschaft" ist begrenzt und sollte kritisch hinterfragt werden. fl Das BIP ist eine wichtige, aber problematische Messgröße für die wirtschaftliche Leistung. Die "Doughnut Economics" bietet einen vielversprechenden Ansatz für eine nachhaltigere und gerechtere Wirtschaftsweise. Die Wirtschaftsgeographie ist ein breites Feld, das sich mit der räumlichen Dimension wirtschaftlicher Prozesse und Aktivitäten befasst. Die Wirtschaftsgeographie hat eine lange und vielfältige Geschichte, die von gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Kontexten geprägt ist. Aktuelle Ansätze in der Wirtschaftsgeographie beziehen Gender- Aspekte, die räumliche Ausdehnung und die Au ösung von Binaritäten ein. fl

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