Europa nach 1945 PDF - Geschichte, Europäische Integration

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Europäische Geschichte Europäische Integration Nachkriegszeit Deutschland

Summary

Dieses Dokument untersucht die Nachkriegszeit in Europa, insbesondere die Anfänge der Europäischen Integration und die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich. Es beleuchtet die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg und die Gründung wichtiger Institutionen. Das Dokument enthält Fragen zur Analyse der historischen Ereignisse und bietet einen Einblick in die europäische Einigung.

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Here is the transcription of the text from the images you sent, formatted in markdown: ## Auf dem Weg in ein neues Europa **M1 Zerstörung der Grenzschranken** Foto vom 7. August 1950 300 Studenten aus acht europäischen Ländern trafen sich an der deutsch-französischen Grenze, zerbrachen die Grenzs...

Here is the transcription of the text from the images you sent, formatted in markdown: ## Auf dem Weg in ein neues Europa **M1 Zerstörung der Grenzschranken** Foto vom 7. August 1950 300 Studenten aus acht europäischen Ländern trafen sich an der deutsch-französischen Grenze, zerbrachen die Grenzschranken zwischen Wissembourg und St. Germanshof und verbrannten sie. Sie forderten ein europäisches Parlament und eine europäische Regierung. Die Zukunftspläne wurden beeinflusst von Europa-Vorstellungen der Zwischenkriegszeit und der Widerstandskämpfer gegen die NS-Herrschaft. Ein Zusammenschluss der Staaten blieb aber zunächst aus, weil die Regierungen nach 1945 ihre nationale Unabhängigkeit nicht für eine vage Europa-Idee aufgeben wollten. Hinzu kam, dass die Form einer künftigen Verbindung umstritten war: Sollte es ein europäischer Bundesstaat oder ein Staatenbund werden? Diese Frage erweist sich bis in die Gegenwart als Schlüsselproblem des Vereinigungsprozesses. ### Die Motive Wenige Jahre nach dem Kriegsende meinte der amerikanische Außenminister John Foster Dulles: „Europa muss sich vereinigen oder untergehen." Die Gründe für diesen Meinungswandel nach dem Krieg waren: * die Einsicht der Siegermächte, dass das zerstörte Europa nur gemeinsam wiederaufgebaut werden könne, * der beginnende Kalte Krieg, * das Interesse Großbritanniens und Frankreichs, Deutschland in eine westeuropäische Ordnung einzubinden, um neue Sonderwege zu verhindern, * die Hoffnung, ein einiges Westeuropa könne zu einer „dritten Kraft" zwischen den USA und der Sowjetunion werden. ### Start mit dem Europarat Der erste politische Zusammenschluss westeuropäischer Staaten nahm Ende der 1940er-Jahre konkretere Formen an. Im August 1949 fand dann die Gründungssitzung des Europarates in Straßburg statt. Großbritannien, Frankreich, Irland, Italien, Dänemark, Norwegen, Schweden und die drei Beneluxstaaten hatten Politiker ihrer Parlamente entsandt. Der Europarat sollte die politische und kulturelle Einigung Westeuropas vorantreiben. Da er aber keine Gesetzgebungsrechte erhielt, blieb ihm nur die Möglichkeit, freiwillige zwischenstaatliche Abkommen (Konventionen) zu verabschieden. Zu den wirkungsvollsten Abkommen der ersten Jahre zählten: * die Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (1950) und * die Sozialcharta (1961). ### Europa einigt sich wirtschaftlich 1951 einigten sich Frankreich und die Bundesrepublik sowie Italien und die Beneluxstaaten auf die Montanunion. Durch eine gemeinsame Kontrolle der Kohle- und Stahlindustrie hoffte man, militärische Konflikte in Westeuropa auszuschließen. Denn: ohne Kohle kein Stahl, ohne Stahl keine Panzer. Damit gaben europäische Staaten erstmals wirtschaftliche Zuständigkeiten an eine supranationale europäische Behörde ab. Es war der erste große Schritt bei der Europäischen Integration. Der Erfolg veranlasste die Mitglieder, die Gemeinschaft auszubauen. Am 25. März 1957 unterschrieben sie in Rom die Verträge über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM). Vereinbart wurden in den Römischen Verträgen: * eine gemeinsame Politik in der Landwirtschaft, der Fischerei und im Verkehr, * die schrittweise Abschaffung der Zölle bei der Ein- und Ausfuhr von Waren sowie der Kontrollen und Beschränkungen für den Personen-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr, * eine gemeinsame Zoll- und Handelspolitik gegenüber Staaten außerhalb der EWG sowie * die Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie. 1967 wurden EGKS, EURATOM und EWG zur Europäischen Gemeinschaft (EG) zusammengefasst. ### Lokomotive" der Einigung Voraussetzung für die europäische Einigung war die deutsch-französische Verständigung. Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und der deutsche Bundeskanzler Adenauer trieben sie voran. Sie schufen seit Ende der 1950er-Jahre ein Vertrauensverhältnis. Beide erhofften sich aber auch außenpolitische Vorteile. De Gaulle, der eine Atomstreitmacht aufbauen wollte und gegen den Beitritt Großbritanniens zur EWG war, wünschte sich eine Stärkung Frankreichs auf dem europäischen Kontinent. Adenauer sah in der Verbindung einen zusätzlichen Schutz gegen die kommunistische Bedrohung aus dem Osten. Höhepunkt der zweiseitigen Beziehungen war der am 22. Januar 1963 in Paris unterzeichnete deutsch-französische Freundschaftsvertrag (Elysée-Vertrag). Er sah nicht nur regelmäßige Beratungen der Staats- und Regierungschefs sowie der Minister beider Länder vor, sondern auch die Zusammenarbeit in der Bildungs-, Kultur- und Jugendpolitik. Kurze Zeit später entstand das Deutsch-Französische Jugendwerk. Es hat zwischen 1964 und 2002 über sechs Millionen Schülerinnen, Schülern und Studierenden Besuche im Nachbarland ermöglicht. Diese enge deutsch-französische Zusammenarbeit entwickelte sich zur „Lokomotive der europäischen Integration", wie der Historiker Edgar Wolfrum urteilt. ## Deutschland und die geteilte Welt nach 1945 The image shows a black and white photo of Charles de Gaulle and Konrad Adenauer attending a service in the cathedral of Reims as a gesture of reconciliation **M2 Geste der Aussöhnung** Foto vom 8. Juli 1962 Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer nehmen an einem Gottesdienst in der Kathedrale von Reims teil. *Internettipp: Zum Deutsch-Französischen Jugendwerk siehe Mediencode 31102-84.* The cartoon depicts a figure representing France and another representing Germany on a seesaw titled "Common History". Various issues and wars between the two countries are depicted. **M3 „Von höherer Warte betrachtet”** Karikatur von Fritz Behrendt, 1962 1. Erläutere, warum der gemeinsame Besuch des Gottesdienstes als „Versöhnungsgeste" verstanden wurde (M2). Berücksichtige dabei die Jahre 1792-1815, 1870/71, 1914-1918 und 1939-1945. 2. Analysiere die Karikatur (M3). 3. a) Informiert euch im Internet über das Deutsch-Französische Jugendwerk (siehe Mediencode). b) Diskutiert die Ziele des deutsch-französischen Schüler- und Studentenaustausches. 4. Begründe, inwiefern die Einrichtung der ersten europäischen Institutionen der Friedenssicherung diente.