Humangeographie PDF: Vorlesungsüberblick & Nachhaltigkeit
Document Details

Uploaded by OpulentViolet5383
Universität Münster
Tags
Related
- Hindi PDF 1-31 dQÀfa¶fSXX, 2023
- Origen y Evolución de los Conceptos de Organización y Estrategia (PDF)
- Analyse Geographischer Konzepte PDF
- Geographie: Definition, Regionalisierung, Raumkonzepte - PDF
- Humangeographie Einführung in die Stadtgeographie - Zusammenfassung PDF
- Zusammenfassung Human Sippel PDF - Wirtschaftsgeographie
Summary
Die PDF-Datei enthält Auszüge einer Vorlesung über Humangeographie und Nachhaltigkeit. Es werden wichtige Konzepte wie Tragfähigkeit, die Tragödie der Allmende, Umweltgerechtigkeit und das Anthropozän behandelt. Die Vorlesung bietet einen Überblick über die komplexen Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt.
Full Transcript
Die Datei "Human Nachhaltigkeit.pdf" enthält Auszüge aus einer Vorlesung über Humangeographie, Mensch-Umwelt-Beziehungen und Nachhaltigkeit. Im Folgenden werden die Hauptthemen und Konzepte der Datei detailliert zusammengefasst: Mensch-Umwelt-Geographie Die Mensch-Umwelt-G...
Die Datei "Human Nachhaltigkeit.pdf" enthält Auszüge aus einer Vorlesung über Humangeographie, Mensch-Umwelt-Beziehungen und Nachhaltigkeit. Im Folgenden werden die Hauptthemen und Konzepte der Datei detailliert zusammengefasst: Mensch-Umwelt-Geographie Die Mensch-Umwelt-Geographie wird als ein wichtiges und interdisziplinäres Feld der Geographie vorgestellt. Sie beschäftigt sich mit den Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt, wobei ein besonderer Fokus auf dem globalen Wandel, der nachhaltigen Entwicklung, dem Klimawandel und Naturrisiken liegt. Die Mensch-Umwelt- Beziehung wird oft als bedrohlich oder fragil dargestellt, wobei die Gesellschaft als verletzlich angesehen wird. Es wird betont, dass massive, weltweite Veränderungen der menschlichen Umwelt und Lebensverhältnisse statt nden, die durch das Wechselspiel zwischen menschlichen Aktivitäten und natürlichen Prozessen verursacht werden. Landeskundliche Ansätze: Die traditionelle Landeskunde betrachtet Landschaften als einmalige Kombinationen von Geofaktoren und konzentriert sich auf die Beschreibung statt auf die Erklärung. Dieser Ansatz wurde jedoch kritisiert, da er als Pseudowissenschaft angesehen wurde, die keine systematische Erklärung ermöglicht und keine Problemstellungen hat. Landschaftsbegriff: Der Landschaftsbegriff hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Die neue Kulturgeographie betrachtet Landschaft als ein kulturelles Bild, das die Umgebung strukturiert oder symbolisiert. Landschaften haben sowohl eine materielle Existenz als auch eine imaginäre Dimension. Tragfähigkeit: Die Vorlesung behandelt das Konzept der Tragfähigkeit im Kontext von Bevölkerungswachstum und Ressourcenmanagement. Thomas Malthus (1766-1834) wird als ein früher Denker in diesem Bereich erwähnt. Im Gegensatz dazu steht Ester Boserup (1910-1999), die die Rolle des Bevölkerungswachstums für die Intensivierung der Landwirtschaft und die Entwicklung neuer Agrartechniken betont. Tragedy of the Commons: Das Konzept der "Tragödie der Allgemeinheit" (Tragedy of the Commons) wird vorgestellt, wobei Garrett Hardin (1915-2003) als zentraler Denker genannt wird. Die Tragödie derAllgemeinheit beschreibt die Umweltzerstörung aufgrund der Übernutzung gemeinsamer Ressourcen. Als Lösungsansätze werden zentrale Lenkung durch den Staat oder Privatisierung genannt. Es wird jedoch auch auf die Arbeiten von Elinor Ostrom hingewiesen, die empirische Belege dafür lieferte, dass Hardins These nicht ausreichend validiert ist. Ostroms Ansatz des "Governing the Commons" betont die Bedeutung klar de nierter Grenzen, funktionierender Überwachung, abgestufter Sanktionen, Kon iktlösungsmechanismen und der Beteiligung aller Nutzer an Entscheidungen. Institutionen werden als übergreifende Erwartungsstrukturen de niert, die bestimmen, was angemessenes Handeln und Entscheiden ist. Political Ecology: Die Politische Ökologie wird als Ansatz vorgestellt, der die komplexen Beziehungen zwischen Natur und Gesellschaft durch eine Analyse der Zugangs- und Kontrollformen über Ressourcen untersucht. Sie zielt darauf ab, Umweltveränderungen unter Einbeziehung von politischen, gesellschaftlichen und historischen Faktoren zu untersuchen und Umweltwandel als Symptom und Ursache von Fehl- und Unterentwicklung zu verstehen. Die Politische Ökologie kritisiert eindimensionale Kausalmodelle und wenig politisch ausgerichtete Ansätze der Umweltökonomie und Humanökologie. Gegenstände der Politischen Ökologie sind die ungleiche Verteilung von Kosten und Nutzen, die Verstärkung bestehender sozio-ökonomischer Ungleichheiten und die Auswirkungen von Umweltveränderungen auf gesellschaftliche Machtkonstellationen. Globale Umweltveränderungen und das Anthropozän: Der Begriff des Anthropozäns, geprägt von Paul Crutzen, wird eingeführt, um das Zeitalter zu beschreiben, in dem der Mensch einen signi kanten Ein uss auf die globalen Umweltbedingungen ausübt. Nachhaltigkeit: Die Vorlesung gibt einen Überblick über die Entwicklung des Nachhaltigkeitsbegriffs, von den frühen Konzepten der Ressourcenökonomie (Hans Carl fl fi fi fl fi fi von Carlowitz) bis zum Brundtland-Bericht. Der Brundtland-Bericht de niert nachhaltige Entwicklung als eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Fähigkeit zukünftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Es werden verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit diskutiert, darunter Bevölkerungswachstum, Armut, Ressourcennutzung und internationale Zusammenarbeit. Umweltgerechtigkeit: Der Begriff der Umweltgerechtigkeit wird im Kontext von Nachhaltigkeit und Raumplanung eingeführt. Umweltgerechtigkeit umfasst Verteilungsgerechtigkeit (ungleiche Verteilung von Umweltbelastungen und -vorteilen), Prozessgerechtigkeit (Teilhabe an Entscheidungsprozessen) und Gerechtigkeit der Anerkennung (Berücksichtigung der Betroffenen und ihrer Ansprüche). Environmental Gentri cation: Das Konzept der "Environmental Gentri cation" wird vorgestellt, das die Verdrängung von einkommensschwachen Bewohnern durch ökologische Aufwertungsmaßnahmen beschreibt. Fallbeispiele wie Harlem X-Change in New York und die Gentri zierung ländlicher Räume (z.B. Park County, Montana) werden diskutiert. Es wird die Frage aufgeworfen, ob Umweltinitiativen ungewollt zur Gentri zierung beitragen und somit soziale Ungleichheiten verstärken können. Nachhaltige Stadtentwicklung: Die Vorlesung beleuchtet den Kon ikt zwischen wachstumsorientierter und nachhaltiger Stadtentwicklung. Es werden die unterschiedlichen Perspektiven von Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialplanern (The planner's triangle) diskutiert. Umweltproteste: Die Vorlesung behandelt die lange Tradition von Umweltprotesten und sozialen Bewegungen. Es werden verschiedene Merkmale Neuer Sozialer Bewegungen (Aktivist*innen, Werte, Aktionsformen) sowie unterschiedliche Ansätze zur Analyse sozialer Bewegungen (Logik kollektiven Handelns, Ressourcenmobilitätsansatz) vorgestellt. Als Beispiel für Umweltproteste wird der Kon ikt um das HidroAysen-Projekt in Patagonien/ Chile angeführt. Das Konzept der "Tragödie der Allgemeinheit" (Tragedy of the Commons) wird in den Quellen im Zusammenhang mit Garrett Hardin (1915-2003) erwähnt. Die "Tragödie der Allgemeinheit" beschreibt, wie die Übernutzung gemeinsamer Ressourcen zu Umweltzerstörung führt. Als Lösungsansätze werden von Hardin zentrale Lenkung durch den Staat oder Privatisierung genannt. Es wird aber auch erwähnt, dass Elinor Ostrom empirische Belege dafür lieferte, dass Hardins These nicht ausreichend belegt ist. Ihre Arbeit betont die Bedeutung klar de nierter Grenzen, funktionierender Überwachung, abgestufter Sanktionen, Kon iktlösungsmechanismen und der Beteiligung aller Nutzer an Entscheidungen, um die "Tragödie der Allmende" zu verhindern. Mensch-Umwelt-Beziehungen (MUB): Die MUB werden oft als "bedrohlich", "bedroht" oder "fragil" dargestellt. Es gibt eine "Katastrophen-Geographie", die sich mit solchen Darstellungen auseinandersetzt. Die Beziehung zwischen Gesellschaft/Mensch und Umwelt/Natur verändert sich im Laufe der Zeit. Kulturelle und soziale Dimensionen von "Natur" werden als gesellschaftliche Konstruktionen betrachtet. Es werden Diskurse um fl fi fi fl fl fi fi fi fi "Naturzerstörung", Landnutzungswandel und Machtfragen untersucht. Landeskunde und Landschaftsbegri : Die traditionelle Landeskunde wird kritisiert, da sie Landschaften als "einmalige Kombination der Geofaktoren" begreift und die Geographie als "beschreibende, nicht aber als erklärende Wissenschaft" de niert (Zitat Werlen 2000:90). Es wird der "Geodeterminismus" erwähnt, bei dem die Abfolge der Geofaktoren kausal auf den jeweils nächsten einwirkt. Die Länderkunde wurde in den 1960er Jahren kritisiert, da ihr vorgeworfen wurde "Schemata zu konstruieren" und "Trivialzusammenhänge" zu konstatieren (Zitat: Fachschaften der Geographischen Institute der BRD, In: Meckelein und Borcherdt 1970:199). Der Landschaftsbegri wird durch die "Iconography of landscape" (Denis Cosgrove) und den Sozialkonstruktivismus erweitert. Tragfähigkeit: Es werden die gegensätzlichen Theorien von Thomas Malthus (begrenzte Ressourcen, Bevölkerungswachstum führt zu Elend) und Ester Boserup (Bevölkerungswachstum führt zu Innovationen) vorgestellt. Governing the Commons: Elinor Ostroms Arbeit wird erwähnt, die sich mit der Frage beschäftigt, wie Gemeingüter nachhaltig verwaltet werden können. Wichtige Aspekte sind: "Klar de nierte Grenzen, Funktionierende Überwachung durch die Nutzer, Abgestufte Sanktionen, Kon iktlösungsmechanismen, Arrangements für Beteiligung aller Nutzer an Entscheidungen." Das Konzept der "Polycentricity" wird hervorgehoben: "‘Polycentricity’ connotes many centers of decision-making that are formally independent of each other. (Ostrom, Tiebout, and Warren 1961: 831–32)" Institutionen werden de niert als "übergreifende Erwartungsstrukturen [...], die darüber bestimmen, was angemessenes Handeln und Entscheiden ist." (Hasse/Krücken 1999, 15) bzw. "soziale Regeln, die in zeitlicher Hinsicht dauerhaft, in sozialer Hinsicht verbindlich und in sachlicher Hinsicht maßgeblich“ sind (Senge 2006, 35). Political Ecology: Die Political Ecology "combines the concerns of ecology and a broadly de ned political economy. Together this encompasses the constantly shifting dialectic between society and land-based resources, and also within classes and groups within society itself.“ (Blaikie & Brook eld 1987) Sie zielt darauf ab, "Umweltveränderungen unter Einbeziehung von politischen, gesellschaftlichen und historischen Faktoren zu untersuchen" und "Umweltwandel als verursacht durch politische Entscheidungen bzw. Interessen ein ussreicher Gruppen auf verschiedenen räumlichen Handlungsebenen zu begreifen." Gegenstände der Politischen Ecology sind die "Ungleiche Verteilung von Kosten und Nutzen" und die Verstärkung bestehender sozio-ökonomischer Ungleichheiten. Anthropozän: Das Konzept des Anthropozäns, geprägt von Paul Crutzen, wird eingeführt: "For the past three centuries, the e ects of humans on the global environment have escalated. Because of these anthropogenic emissions of carbon dioxide, global climate may depart signi cantly from natural behaviour for many millennia to come. It seems appropriate to assign the term ‘Anthropocene’ to the present geological epoch.” (Crutzen 2002) Nachhaltigkeit: Es werden wichtige Meilensteine der Nachhaltigkeitsdebatte fl fi fi ff fi ff ff fl fi fi fi genannt, wie "1972: Die Grenzen des Wachstums (Club of Rome)", der "Brundtlandt-Report" (1987) und die "Agenda 21 in Rio" (1992). Der historische Ursprung des Begri s wird auf Hans Carl von Carlowitz (1713) zurückgeführt: "Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht". Der Brundtlandt-Report wird zitiert: „Humanity has the ability to make development sustainable to ensure that it meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs." Es wird betont, dass "the concept of sustainability cannot be divorced from its societal context and socio-cultural relations of power“ (Krueger, Mössner, Freytag, 2019). Kritische Aspekte der Entwicklungsorientierung und Reduktion auf Wachstum werden genannt. "Nachhaltigkeit als Konzept, das mit unterschiedlichen / widersprüchlichen Inhalten gefüllt werden kann" wird hervorgehoben. Umweltgerechtigkeit: Die drei Dimensionen der Umweltgerechtigkeit werden vorgestellt: "Prozessgerechtigkeit, Verteilungsgerechtigkeit, Gerechtigkeit der Anerkennung (recognition)". Verteilungsgerechtigkeit wird de niert als "how (environmental) bene ts are distributed across places and people (low-income residents disproportionately burdened with hazardous waste facilities; do wealthy populations have greater access to green space)“ (Harvey, 1973). Prozessgerechtigkeit wird de niert als "focuses on the right of all people to participate in (environmental) decision-making (are all residents given the opportunity to comment on the siting of a new bus depot in the neighbourhood; do community groups in uence environmental legislation that a ects their daily lives…)“. Environmental Gentri cation: "Environmental gentri cation describes the convergence of urban redevelopment, ecologically-minded initiatives and environmental justice activism in an era of advanced capitalism." Es wird auf den "Invasions- / Sukzessionszyklus (Chicagoer Schule)" und die Verdrängung von Bevölkerungsgruppen verwiesen. Der "paradox of sustainable politics" (Checker 2011) wird genannt, bei dem nachhaltige Politik zu Gentri zierung und Verdrängung führen kann. "Operating under the seemingly a-political rubric of sustainability, environmental gentri cation builds on the material and discursive successes of the urban environmental justice movement and appropriates them to serve high-end redevelopment that displaces low income residents.” (Checker 2011: 212) Das gentri zierte Dorf: Gentri cation wird nicht nur als städtisches, sondern auch als ländliches Phänomen betrachtet: "Gentri cation has for too long been investigated as an urban phenomenon“ (Stockdale, 2010). Es wird das Beispiel des Park County, Montana, genannt, wo es zu einer Verdrängung durch unterschiedliche Konstruktionen von Natur, Ländlichkeit, Arbeit und Arbeitsteilung kommt. Nachhaltige Stadt vs. Unternehmerische Stadt: Die "Nachhaltige Stadt" wird durch "Umweltschutz in der Stadt, Soziale Gerechtigkeit" und "Partizipation" de niert. Die "Unternehmerische Stadt" wird durch "Wachstumsorientierung, Deregulierungen und Privatisierungen" ff fi fi fi fi ff fi fi fl fi fi fi fi fi und "Fokus auf Stadt als Produkt" de niert. Umweltproteste: Es wird die lange Tradition sozialer Bewegungen und Bewegungsforschung betont. Das Beispiel des HidroAysen-Projekts in Patagonien/Chile wird genannt, als Beispiel für einen großen Umweltkon ikt. Fazit:Das Dokument bietet einen umfassenden Überblick über wichtige Konzepte und Theorien in der Humangeographie, die für das Verständnis von Mensch-Umwelt- Beziehungen und Nachhaltigkeit relevant sind. Es betont die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit diesen Themen und weist auf die komplexen sozialen, politischen und ökonomischen Dimensionen hin, die oft übersehen werden. fl fi