Humangeographie Einführung in die Stadtgeographie - Zusammenfassung PDF
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Universität Münster
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Das Dokument ist eine Zusammenfassung der Vorlesung "Humangeographie Einführung in die Stadtgeographie" von Prof. Dr. Iris Dzudzek. Es werden zentrale Begriffe wie Verstädterung und Urbanisierung erläutert, sowie Raumkonzepte und die historische Entwicklung der Stadt behandelt. Zudem werden die wichtigsten Forschungsfelder der kritischen Stadtgeographie dargestellt.
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1. De nitionen und Typologien: Stadtde nition: Die verwaltungs- und planungsrechtliche De nition von Stadt basiert oft auf der Einwohnerzahl. Die Klassi kationen reichen von Landgemeinden (< 5.000 Einwohner) über Kleinstädte (ab 5.000...
1. De nitionen und Typologien: Stadtde nition: Die verwaltungs- und planungsrechtliche De nition von Stadt basiert oft auf der Einwohnerzahl. Die Klassi kationen reichen von Landgemeinden (< 5.000 Einwohner) über Kleinstädte (ab 5.000 Einwohner) und Mittelstädte (ab 20.000 Einwohner) bis hin zu Großstädten (ab 100.000 Einwohner) und Megacities (ab 10 Millionen Einwohner). Kritische Stadtgeographie: De niert Stadt nicht primär über administrative Grenzen oder Einwohnerzahlen, sondern über die Prozesse und Zusammenhänge, die sie formen: "„Das Entscheidende [sind] die Prozesse und Zusammenhänge, die Städte formen sowie die von Städten aus und durch Städte geformt werden.“ (Belina, Naumann und Strüver 2014: 11) Planetare Verstädterung: Unterscheidungen zwischen städtisch und nicht-städtisch werden zunehmend hinfällig. Verstädterung ist ein weltweiter Prozess, der zur Entstehung von Stadtregionen bisher ungekannten Ausmaßes ("urban galaxies") führt. Es gibt ein "End of Wilderness": Verstädterung erfasst nicht nur alle Länder, sondern auch alle Regionen. Megacities: De niert über die Bevölkerungszahl (ab 5 Mio., 8 Mio., 10 Mio. oder 20 Mio. Einwohner). Es wird kritisiert, Megacities pauschal mit bestimmten Problemen gleichzusetzen. Auch Megacities sind Global bzw. World Cities. World Cities und Global Cities: Diese Städte sind Knotenpunkte in weltwirtschaftlichen Ver echtungen, Orte von Kapital und Entscheidungs ndung. Sie werden oft hierarchisiert (Alpha, Beta, Gamma). "Global Cities sind Zentren der Organisation und der Steuerung der Weltwirtschaft." (Panreiter, 2024) Die ökonomischen Management- und Kontrollfunktionen werden von Firmen der unternehmensorientierten Dienstleistungen ausgeübt, die sich in Global Cities clustern. Beispiele für unternehmensorientierte Dienstleistungen sind Finanzdienstleistungen, distributive Dienste, soziale Dienste, kreative Dienste, persönliche Dienste und produzentenorientierte Dienste. Ordinary Cities: Dieser Ansatz betont die Vielzahl wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Netze in der Stadt und löst sich von Hierarchisierungen und Kategorisierungen. "The academic eld of urban studies ought to be able to contribute its resources more e ectively to the creative imagining of possible city futures around the world. […]" (Robinson, 2002: 549) 2. Raumkonzepte der Stadtgeographie: Stadt als Containerraum: Betrachtet die Stadt als "Behälter mit Inhalten" (Freytag 2013: 14), klar umgrenzt, mit zuordenbaren sozialen, kulturellen und ökonomischen Eigenschaften. Territorien erfüllen eine ff fi fi fi fi fl fi fi fi fi politische Funktion. Kritik: Warum steigen die Mieten in Frankfurt? Warum steigen die Mieten im Frankfurter Ostend besonders stark? Stadt als relationaler Raum: Betrachtet die Stadt nicht als abgeschlossene Einheit, sondern als Ergebnis langer und komplexer historischer Entwicklungen. "[...] die Stadt nicht als abgeschlossene Raumeinheit, als Container mit klar abgegrenzten Begri en, Konzepten und De nitionen betrachten. Vielmehr basieren die Idee und letztlich das Produkt Stadt auf langen und komplexen historischen Entwicklungen. Dadurch ist sie genuin dynamisch und letztlich im positiven Sinn unde nierbar." (Franz und Strüver 2022: 3). Der relationale Raum ist ein ‚machtgefüllter‘ Raum, in dem einige Verbindungen zumindest eine Zeit lang dominieren, während andere dominiert werden. Europäische Integration und globale Finanz üsse können hier zu Mietpreissteigerung, Gentri zierung und Verdrängung führen. 3. Historische Entwicklung der Stadt: Politische Stadt: Städte als Orte der Repräsentation, Erschließung, Sicherung und Verwaltung (Festungsstädte, Verwaltungszentren). Handelsstadt: Städte als Orte des Marktes und des Tauschs, die Spezialisierung in nicht-agrarischen Bereichen erforderten. "Städte sind Orte des Marktes. Aber in der Stadt werden lokale, Fern- und nationale Märkte strikt getrennt“ (Polanyi 1944: 93..). Städte waren potenzielle Orte des Aufstiegs aus der Unfreiheit der Leibeigenschaft in die Freiheit. Industriestadt: Politische Reformen und Industrialisierung führten zur Ansiedlung von Industrie an neuen Standorten, unabhängig von städtischen Monopolgewalten. 4. Urbanisierungsprozesse: Urbanisierung: Zunehmender Anteil der Bevölkerung in Städten. Seit 2007 leben weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Suburbanisierung: Verlagerung von Nutzungen und Bevölkerung aus der Kernstadt in das Umland. „Die Suburbanisierung von Wohnen und Gewerbe, die traditionell als sekundär zur Urbanisierung gesehen wurde, gewinnt an Bedeutung und prägt das Städtische und die Gesellschaft mehr denn je.“ (Keil, Roger 2014). Es gibt Bevölkerungssuburbanisierung, industrielle Suburbanisierung und Dienstleistungssuburbanisierung. Desurbanisierung: Bevölkerungs- und Beschäftigungsrückgang in Kernstädten. Siedlungsdispersion und Entmischung. Reurbanisierung: Wachstum der Kernstädte, Aufwertung der Innenstädte, Zunahme der sozioökonomischen und sozialräumlichen Polarisierung in der Stadt. 5. Gentri zierung: De nition: Gentri zierung ist ein stadtteilbezogener Aufwertungsprozess, der auf der Verdrängung unterer fi fi fi fi fi fi ff ff fl Einkommensgruppen durch den Zuzug wohlhabender Schichten basiert und zu Qualitätsverbesserungen im Gebäudebestand führt (I. Helbrecht 1996, nach R. J. Johnston). "Verdrängung ist das Wesen der Gentri cation, ihr Ziel, nicht ein unerwünschter Nebene ekt.“ (Marcuse 1992: 80). Erklärungsansätze:Nachfrageorientierte Theorien: Gesellschaftlicher Wandel, neue Mittelschichten mit urbanem Lebensstil, "Back to the City Movement". Angebotsorientierte Theorien: Agieren der Immobilienbranche, Maximierung der Einnahmen durch Miete/Verkauf (Rent Gap-Theorie). „A Back to the City Movement by Capital, not People” (Smith 1979) State-led Gentri cation: Politisches Handeln des (lokalen) Staates begünstigt Aufwertungsprozesse mit Verdrängung. Privatisierung, gewinnorientierte ö entliche Wohnungsunternehmen, Scha ung von Baurecht für gehobenen Wohnraum. Neubau-Gentri zierung: Mietsteigerungen nden auch auf benachbarten Lagen statt, weil (Luxus-) Neubau symbolisch ausstrahlt, Bodenpreise steigen und über den Mietspiegel die ortsübliche Vergleichsmiete auch in benachbarten Lagen ansteigt. 6. Urbanisierung des Kapitals (David Harvey): Der städtische Raum und die Urbanisierung nehmen eine zentrale Rolle für den kapitalistischen Akkumulationsprozess ein. Städte stellen die materialisierte Form des gesellschaftlichen Mehrprodukts dar. Spatial Fix: Räumliche Fixierung von Kapital, Bearbeitung einer Krise im Raum durch Verschiebung von Kapital, das keine rentable Anlagemöglichkeit mehr ndet. Temporal Fix: Kapital wird durch Investitionen in die gebaute Umwelt langfristig gebunden und kann zu einem späteren Zeitpunkt durch Verkauf der Immobilie wieder im primären Kapitalkreislauf eingesetzt werden. 7. Kritik an Global/World Cities-Ansätzen: Basieren auf den Erfahrungen und Geschichten von Städten des globalen Nordens, entwickelt durch westliche Wissenschaftler*innen. Abweichungen werden als Abweichung von einer (westlichen) Norm dargestellt. Es fehlt die Berücksichtigung des Globalen Südens. 8. Zentrale Themenfelder kritischer Stadtforschung: Analyse der systemischen und historisch spezi schen Prozesse und Machtverhältnisse, die Stadt formen. Herausarbeitung von Marginalisierungen, Ausschlüssen, Ungerechtigkeiten und sozial-räumlichen Ungleichheiten. Erö nung alternativer Perspektiven auf Stadt und Urbanisierung, an die eine sozial gerechtere und emanzipatorische politische Praxis ansetzen kann. ff fi fi fi ff fi fi fi ff ff Die Vorlesung "Humangeographie Einführung in die Stadtgeographie" von Prof. Dr. Iris Dzudzek (Wintersemester 2024/25) behandelt zentrale Begriffe, aktuelle globale Prozesse und De nitionen der Stadtgeographie. Zentrale Begriffe der Stadtgeographie: Verstädterung Urbanisierung Urbanität Verwaltungs- und planungsrechtliche De nition von Stadt: Klassi kation nach Einwohnerzahl: ◦ Landgemeinde: < 5.000 Einwohner ◦ Kleinstadt: ab 5.000 Einwohner (kleine Kleinstadt), ab 10.000 Einwohner (große Kleinstadt) ◦ Mittelstadt: ab 20.000 Einwohner (kleine Mittelstadt), ab 50.000 Einwohner (große Mittelstadt) ◦ Großstadt: ab 100.000 Einwohner (kleinere Großstadt), ab 480.000 Einwohner (große Großstadt) Städte = einwohnerstarke Gemeinden (Kommunen) Urbanität Bezeichnet die städtische Lebensweise im Gegensatz zur ländlichen Lebensweise. Gekennzeichnet durch: ◦ Dominanz unpersönlicher Beziehungen ◦ Dichte ◦ Begegnung mit Fremden im öffentlichen Raum (Heterogenität) Voraussetzung: Konzentration von Menschen und ökonomischen Aktivitäten an einem Ort – der Stadt als Resultat von Verstädterung. "Throwntogetherness": Zusammentreffen von unterschiedlichen Lebenswegen und Hintergründen. Spatial Turn in der Stadtgeographie: Raum ist Produkt gesellschaftlicher Strukturen und Prozesse. Raumstrukturen beein ussen gesellschaftliche Strukturen und Prozesse. Unterscheidung zwischen städtischem und nicht-städtischem Raum kaum noch möglich. Räumliche Form der Stadt = Ausdruck sozialer Beziehungen, prägt soziale Beziehungen. Analyse der Prozesse der Urbanisierung statt Deskription. De nition von Stadt in der Kritischen Stadtgeographie: Fokus auf Prozesse und Zusammenhänge, die Städte formen und die von Städten ausgeformt werden. Analyse systemischer und historisch spezi scher Prozesse und Machtverhältnisse, die Stadt formen. Herausarbeitung von Marginalisierungen, Ausschlüssen, Ungerechtigkeiten und sozialräumlichen Ungleichheiten, die in diesen Prozessen entstehen. Eröffnung alternativer Perspektiven auf Stadt und Urbanisierung für eine sozial gerechtere und emanzipatorische politische Praxis. Forschungsfelder der kritischen Stadtgeographie: Brennglas gesellschaftlicher Krisen fi fi fl fi fi fi Ort der Emanzipation und Transformation Kon iktfeld gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse Segregation und Verdrängung Digitalisierung Migration (kritische) Infrastrukturen Urbane Gesundheit Partizipation Wohnungsnot und Immobilienmarkt Transformation politischer Ökonomie Klimawandel und anthropozentrische Veränderung der Umwelt Nahrungsmittelversorgung Verkehrswende Raumkonzepte der Stadtgeographie: Stadt als Containerraum ◦ "Behälter mit Inhalten". ◦ Klar umgrenzt. ◦ Territorien mit politischer Funktion. ◦ Soziale, kulturelle und ökonomische Eigenschaften sind zugeordnet. ◦ Kritik: Gefahr einer "Territorial Trap". Stadt als relationaler Raum ◦ Idee basiert auf langen und komplexen historischen Entwicklungen. ◦ Dynamisch und letztlich im positiven Sinn unde nierbar. ◦ Beziehungen zwischen Dingen bringen Raum hervor. ◦ Netzwerke, Beziehungen und Ströme schaffen eine neue topologische Geographie. ◦ Kritik: "Nonterritorial trap". Stadt und Globalisierung: Konzepte: World Cities, Global Cities, Megacities, Ordinary Cities. World Cities: Orte von Kapital und Entscheidungs ndung. Weltsystem der Ver echtung von Produktion und Marktausdehnung. Beispiele: Tokyo, Los Angeles, San Francisco, Miami, New York, London, Paris, Randstad, Frankfurt, Zürich, Kairo, Bangkok, Singapur, Hong Kong, Mexiko City, Sao Paulo. Die Reichweite der räumlichen Dominanz ist abhängig von der Gewichtung und Ausprägung unterschiedlicher Indikatoren. Ausprägung und Stärke der weltwirtschaftlichen Integration. Anzahl von Zentralen transnationaler Unternehmen (TNC). Global Cities: Zentren der Organisation und Steuerung der Weltwirtschaft. Ökonomische Management- und Kontrollfunktionen werden von Firmen der unternehmensorientierten Dienstleistungen ausgeübt. Unternehmensorientierte Dienstleistungen sind unerlässlich für das Funktionieren von globalen Produktionsketten oder -netzwerken. Konzentration von unternehmensorientierten Dienstleistungen, v.a. der Finanzindustrie. Nicht angewiesen auf verarbeitendes Gewerbe. Standorte von TNCs ist unerheblich. Standorte von NGOs und internationalen Organisationen unerheblich. Wirtschaftliche Deregulierungen als Hebel: Finanzmarkt, Handel. fl fl fi fi Veränderungen der Kommunikationstechnologien als Voraussetzung. Koordinations- und Kontrollwissen für globale Wirtschaftstätigkeit wird im Komplex aus unternehmensorientierten Dienstleistungen und Finanzdienstleistungen hergestellt. Relevanz der Global-City-Forschung: Analyse der städtischen Transformation, die mit der Global-City-Bildung einhergeht. Auswirkungen auf Arbeitsmärkte und Einkommensstrukturen. Auswirkungen auf Immobilienmärkte und die gebaute Umwelt. Förderung der sozialräumlichen Polarisierung. Fallbeispiel: Konsequenzen des Brexit für Standortverlagerungen in Global Cities. Megacities: De nition über Bevölkerungszahl: ab 5 Mio., 8 Mio., 10 Mio. oder 20 Mio. Einwohner. Typische Merkmale: ◦ Primatstadt (regionale Dominanz) ◦ Infrastrukturelle De zite ◦ Fragmentierte, polarisierte Sozialstruktur ◦ Intensive Zuwanderung (vor allem aus ländlichen Regionen) Ursachen für die Entwicklung: ◦ Weltweit statt ndende Urbanisierung: hohes natürliches Bevölkerungswachstum und Zuwanderung aus ländlichen Regionen ◦ Ökonomische Globalisierung: globale Verlagerung von Produktions-, Dienstleistungs- und Finanzstandorte in Metropolen ◦ Wirtschaftliche Transformation: Übergang von Plan- zu Marktwirtschaften Herausforderungen: ◦ Unkontrollierte Flächeninanspruchnahme ◦ Unzureichende Wohnbedingungen ◦ Infrastrukturde zite ◦ Hohe Verkehrsbelastung und Verkehrschaos ◦ Hohe Umweltbelastungen ◦ Sozio-ökonomische Disparitäten Kritik an der bisherigen Megacity-Forschung: ◦ Pauschale Gleichsetzung von Megacities mit bestimmten Problemen ist geographisch und geschichtlich falsch. ◦ Verstädterung der Armut im Süden ist nicht mit Stadtgröße zu erklären, sondern mit den sozialen und ökonomischen Entwicklungstendenzen der letzten 30 Jahre. Ordinary Cities: Betonen die Vielzahl von wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Netzen in der Stadt. Bieten eine Grundlage, Stadt aus einer dekolonialen Perspektive auf kreative Weise neu zu konzeptionalisieren. Stellen auch für sogenannte "global cities" ein fruchtbares Konzept dar. Lösen sich von Hierarchisierungen und Kategorisierungen. Geschichte der europäischen Stadt: Jede Gesellschaft schafft ihren eigenen Raum. Jede vorherrschende Produktionsweise hat einen spezi schen Stadttypus ‚produziert‘. Historische Formation der Stadt in Phasen: ◦ Politische Stadt ◦ Handels- und Industriestadt Stadt als produzierter Raum: Sozialer Raum ist ein soziales Produkt. fi fi fi fi fi Jede Gesellschaft produziert ihren eigenen Raum. Der gesellschaftliche Raum ist aus dem gesellschaftlichen Herstellungs-, Verwendungs- und Aneignungszusammenhang seines materiellen Substrats zu erklären. Urbanisierung umfasst komplexe, vielschichtige und widersprüchliche Prozesse, die kulturelle, soziale, ökonomische und auch sprachliche Aspekte einschließen. Stadt als historische Kon guration: Jede Produktionsweise hat einen Stadttypus ‚produziert‘, der sich unmittelbar ‚ausdrückt‘, sichtbar und ablesbar am Terrain. Politische Stadt: Sesshaftigkeit, Urbarmachung, Bewässerung à neue Wirtschaftsweise, Entstehung eines gesellschaftlichen Mehrprodukts. Entstehung von städtischen Strukturen (Politik, Religion, Verwaltung). Handelsstadt: Schwächung des Feudalsystems ab dem 11. Jahrhundert, Übergang von Subsistenzwirtschaft zu Marktwirtschaft. Industriestadt: Au ösung der Feudalgesellschaft, Bauernbefreiung, Abschaffung der Zünfte, Durchsetzung großer Industrieunternehmen, Recht auf Aus- und Einwanderung. Planetare Urbanisierung: Städte wuchern unter den Bedingungen kapitalistischer Ver echtungen im Rahmen einer „planetarischen Metamorphose“ zu einem globalen „urbanem Gefüge“. Gleichzeitigkeit von Prozessen der Konzentration und Zentralisierung sowie der Expansion und Differenzierung. Die Vorlesung behandelt auch die Entwicklung von der industriellen zur postindustriellen Stadt, einschließlich Fordismus und Postfordismus, Desindustrialisierung und den Konzepten der Sub-, Des- und Reurbanisierung. Fordismus: Neues ökonomisches Akkumulationsregime ab den 1920er Jahren in den USA und ab den Nachkriegsjahren in Deutschland. Technologische Grundlage: Taylorismus. Räumliche Trennung nach Geschlecht: Lohnarbeit in der Stadt, Hausarbeit in Suburbia (sogenannte „Schlafstädte"). Urbanisierung – Suburbanisierung – Desurbanisierung – Reurbanisierung: Phasenmodell von Agglomerationsräumen nach Gaebe 1991. Agglomerationsräume sind städtische Räume, die in der Regel mehrere politisch administrative Raumeinheiten umfassen. Gliederung in Kernstadt und Umland. Suburbanisierungsphase: Stärkere Bevölkerungs- und Beschäftigungszunahme im Umland als in der Kernstadt. Des- oder Deurbanisierungsphase: Absolute Bevölkerungs- und Beschäftigungsabnahme im gesamten Agglomerationsraum. Reurbanisierung: ◦ Phase erneuten Bevölkerungswachstums in der Kernstadt. ◦ Ursachen: veränderte Präferenzen, neue Zielgruppen, städtische Aufwertungen. Suburbanisierung: Prozess in Nordamerika seit den 1920er Jahren, in Deutschland im Wesentlichen erst seit den 1950er Jahren. Ausgelöst durch Umzüge von Mittelschichthaushalten aus den Großstädten in die zuvor ländlichen Umlandgemeinden. fl fi fl Wirtschaftliche Hintergründe: fordistische Produktion. Gründe: bessere Transportmöglichkeiten, steigende Einkommen, Suche nach besseren Wohnbedingungen. Gesellschaftliche Hintergründe: Ideal der bürgerlichen Familie, Umsetzung von Vorstellungen zum besseren Wohnen. Probleme: ◦ Mangel an öffentlichem Raum und starke Abhängigkeit vom Auto. ◦ Eingeschränkter Zugang zu Arbeitsmärkten. ◦ Gilt als Ort traditioneller Geschlechterbeziehungen. ◦ Fehlende Nachhaltigkeit. Desurbanisierung: Tendenz stärker ausgeprägt in altindustriellen Stadt-Regionen. Gründe für die Deindustrialisierung: David Harvey Theorie der „Urbanisierung des Kapitals“. Krisen der kapitalistischen Produktionsweise können aufgeschoben werden, indem das überschüssige, anlagesuchende Kapital in Raum und Zeit verschoben wird (spatio-temporal x). Räumliche Fixierung von Kapital. Segregation: Ethnische Segregation Soziale/sozio-ökonomische Segregation Demographische Segregation Die postfordistische Stadt: Wirtschaftlicher Strukturwandel von der Industriegesellschaft hin zu einer Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft. Die Veränderung der Wirtschaftsweise führt zur Wiederentdeckung der Innenstadt als Standort kreativen Arbeitens. Gentri zierung: Aufwertung und Verdrängung. Wiederentdeckung der Innenstädte als Quartiere als Wohn- und Arbeitsorte. Nachfrageorientierte, angebotsorientierte und State-led Gentri cation als Erklärungen. Verdrängung: Physische Verdrängung (Umwandlung, Mieterhöhungen, Abriss). Ökonomische Verdrängung (Verdrängung aus dem Lebensstandard). Exkludierende Verdrängung (steigende Angebotsmieten). Kultureller Verdrängungsdruck (Entfremdung durch soziale Homogenisierung der Nachbarschaft). Erklärungen von Gentri zierung: Nachfrageorientierte Theorien: Fokus auf gesellschaftlichen Wandel und neue Mittelschichten mit urbanem Lebensstil. Angebotsorientierte Theorien: Fokus auf Agieren der Immobilienbranche und Maximierung der Einnahmen. State-led Gentri cation: These, dass auch das politische Handeln des (lokalen) Staates Aufwertungsprozesse mit Verdrängung begünstigen kann. Urbanisierung des Kapitals: fi fi fi fi fi Kapitalverschiebung ndet räumlich statt (abhängig von äußeren Faktoren). Es gibt stets Krisen- und Boomgebiete (lokal als auch global). Urbanisierungsprozesse können die grundlegenden Widersprüche des Kapitalismus immer nur raumzeitlich verschieben, nie aber wirklich au ösen. Szenarien zukünftiger Stadtentwicklung: Europäische Stadtentwicklungspolitik zielt auf die Schaffung einer „nachhaltigen Stadt der kurzen Wege“. fi fl