Einführung in die Anatomie und Physiologie des Herz-Kreislauf-Systems (PDF)

Document Details

FearlessGadolinium6704

Uploaded by FearlessGadolinium6704

Schule für Physiotherapie am Klinikum Itzehoe

Tags

Herz-Kreislauf-System Physiologie Anatomie Kardiologie

Summary

Dieses Dokument behandelt die Grundlagen der Anatomie und Physiologie des Herz-Kreislauf-Systems. Es erklärt das Erregungsleitungssystem, den Herzzyklus sowie Herztöne und Herzgeräusche. Es werden auch Anpassungen des Herzens an unterschiedliche Anforderungen, sowie die Interpretation von EKGs besprochen.

Full Transcript

6. Beschreibe die Erregungsleitung im Herzen! Erregungsleitungssystem: Knoten (SA-Knoten): - Der natürliche Schrittmacher des Herzens, der elektrische Impulse im rechten Vorhof erzeugt. - Impulse breiten sich über die Vorhöfe aus und lösen die Kontraktion der Vorhöhlen aus....

6. Beschreibe die Erregungsleitung im Herzen! Erregungsleitungssystem: Knoten (SA-Knoten): - Der natürliche Schrittmacher des Herzens, der elektrische Impulse im rechten Vorhof erzeugt. - Impulse breiten sich über die Vorhöfe aus und lösen die Kontraktion der Vorhöhlen aus. Atrioventrikulärer Knoten (AV-Knoten): - Der Impuls wird hier verzögert, damit sich die Vorhöhlen vollständig entleeren, bevor die Kammern kontrahieren. His-Bündel und Tawara-Schenkel: - Übertragen die Erregung schnell zu den Kammern. Purkinje-Fasern: - Übertragen die Erregung an die Kammermuskulatur, wodurch diese kontrahiert. 7. Beschreibe den Herzzyklus! Der Herzzyklus besteht aus zwei Hauptphasen: Systole: - Die Kontraktionsphase des Herzens, bei der das Blut aus den Kammern in die Arterien gepumpt wird. - Anspannungsphase: Alle Klappen sind geschlossen, das Volumen im Herzen bleibt konstant. - Austreibungsphase: Die Taschenklappen (Pulmonalklappe und Aortenklappe) öffnen sich und Blut wird in die Lungen- und Körperarterien gepumpt. Diastole: - Die Entspannungsphase, in der sich das Herz mit Blut füllt. - Entspannungsphase: Alle Klappen sind geschlossen, und das Blut aus den Venen fließt in die Vorhöhlen. - Füllungsphase: Die Atrien kontrahieren, das Blut strömt in die Kammern. 8. Wie wird das Arbeitsmyokard des Herzens erregt? - Erregung erfolgt durch das Erregungsleitungssystem, das elektrische Impulse von den spezialisierten Zellen des SA-Knotens über den AV-Knoten, das His-Bündel und die Purkinje-Fasern weiterleitet. - Diese Impulse führen zu einer Depolarisation der Herzmuskelzellen, was die Kontraktion des Herzmuskels auslöst. 9. Welche Herztöne gibt es, wie kommen sie zustande? Wie entstehen Herzgeräusche? Welche gibt es? Herztöne: Erster Herzton (S1): - Entsteht beim Schließen der Mitral- und Trikuspidalklappen zu Beginn der Systole. Zweiter Herzton (S2): - Entsteht beim Schließen der Aorten- und Pulmonalklappen zu Beginn der Diastole. Herzgeräusche: - Entstehen durch Turbulenzen im Blutfluss, oft durch Klappenfehler. - Systolisches Geräusch: Meist durch Stenosen oder Insuffizienzen der Aorten- oder Mitralklappe. - Diastolisches Geräusch: Tritt bei Insuffizienz der Aorten- oder Pulmonalklappen auf. 10. Was bedeutet Schlagvolumen, Herzzeitvolumen, Auswurffraktion, enddiastolisches Restvolumen? Schlagvolumen (SV): - Die Menge an Blut, die bei jedem Herzschlag aus der Kammer gepumpt wird. Normal: 70 ml. Herzzeitvolumen (HZV): - Das Schlagvolumen multipliziert mit der Herzfrequenz (SV x HF). Normal: 4-8 l/min. Auswurffraktion (EF): - Das Verhältnis des Schlagvolumens zum enddiastolischen Volumen (EDV). Normal: 50–70 %. Enddiastolisches Restvolumen (EDV): - Das Blutvolumen, das nach der Diastole in der Kammer verbleibt. 11. Wie passt sich das Herz an normale Anforderungen an? Was ist der Frank-Starling-Mechanismus? Welche pathologischen Anpassungsformen gibt es? Frank-Starling-Mechanismus: - Der Mechanismus, bei dem das Herz stärker kontrahiert, wenn das Füllvolumen (Enddiastolisches Volumen) steigt. Dies verbessert das Schlagvolumen. Pathologische Anpassungen: Herzinsuffizienz: - Das Herz ist nicht in der Lage, das Blut effizient zu pumpen, was zu einer verminderten Anpassungsfähigkeit führt. Hypertrophie: - Eine Anpassung des Herzens an chronische Belastung (z. B. Bluthochdruck), bei der die Herzwand verdickt, aber die Funktion langfristig beeinträchtigt werden kann. 12. Was bedeutet Herzinsuffizienz? Welche Formen gibt es? Herzinsuffizienz: - Unzureichende Fähigkeit des Herzens, Blut in ausreichender Menge zu pumpen. Formen: Linksherzinsuffizienz: - Das linke Herz kann das Blut nicht effektiv in den Körperkreislauf pumpen, was zu einer Stauung im Lungenkreislauf führt (Lungenödem). Rechtsherzinsuffizienz: - Das rechte Herz kann das Blut nicht effektiv in den Lungenkreislauf pumpen, was zu einer Stauung im Körperkreislauf führt (Beine und Abdomen). 13. Was ist ein EKG? Was kann man aus dem EKG ablesen? Welche Abschnitte des EKG entsprechen welchem Teil des Herzzyklus? EKG (Elektrokardiogramm): - Ein diagnostisches Verfahren, das die elektrische Aktivität des Herzens misst. - Es zeigt die Depolarisation und Repolarisation der Herzmuskelfasern. - Abschnitte des EKG und ihre Bedeutung: P-Welle: - Entspricht der Vorhofdepolarisation, wenn sich die Vorhöhlen kontrahieren. - Beginn der Systole der Vorhöhlen. QRS-Komplex: - Entspricht der Ventrikeldepolarisation, wenn sich die Kammern kontrahieren. - Beginn der Systole der Kammern. T-Welle: - Entspricht der Ventrikelrepolarisation, wenn sich die Kammern entspannen. - Ende der Systole und Beginn der Diastole. Wichtigste Parameter im EKG: - Herzfrequenz: Anzahl der Schläge pro Minute (normal: 60–100 bpm). - Rhythmus: Bestimmung des Regelmäßigkeit der Schläge. - P-R-Intervall: Dauer der Übertragung der Erregung von den Vorhöfen zu den Kammern. - -QT-Intervall: Zeit für die Ventrikeldepolarisation und -repolarisation. 14. Welche Störungen kann man aus dem EKG ablesen? Arrhythmien: - Abnormaler Herzrhythmus, z. B. Vorhofflimmern, ventrikuläre Tachykardie. Herzinfarkt: - Sichtbare Veränderungen im ST-Segment, z. B. ST-Hebung oder -Senkung, die auf eine Durchblutungsstörung der Herzmuskulatur hinweisen. Blockierungen: - AV-Block: Verzögerte oder blockierte Überleitung der elektrischen Erregung zwischen Vorhöfen und Kammern. - Recht- oder Links-Schenkelblock: Blockierung in den Verzweigungen des His-Bündels. Verlängerte Intervalle: - QT-Verlängerung: Kann auf ein erhöhtes Risiko für Arrhythmien hinweisen. 15. Welche Aufgaben hat der Blutkreislauf? Beschreibe den großen und kleinen sowie den portalen Kreislauf! Was ist das Hochdruck-, was ist das Niederdruck-System? Aufgaben des Blutkreislaufs: - Transport von O₂ und Nährstoffen zu den Geweben. - Abtransport von CO₂ und Stoffwechselabfällen. - Regulierung der Körpertemperatur. - Aufrechterhaltung des pH-Wertes und des Flüssigkeitsgleichgewichts. Großer Kreislauf (Körperkreislauf): - Sauerstoffreiches Blut wird von der linken Kammer in die Aorta gepumpt. - Blut wird über Arterien, Arteriolen und Kapillaren in die Gewebe verteilt. - Sauerstoffarmes Blut fließt zurück zum rechten Vorhof über die Venen. Kleiner Kreislauf (Lungenkreislauf): - Sauerstoffarmes Blut wird von der rechten Kammer durch die Pulmonalarterie zur Lunge gepumpt. - In den Lungenkapillaren erfolgt der Gasaustausch (O₂-Aufnahme, CO₂-Abgabe). - Sauerstoffreiches Blut fließt zurück zum linken Vorhof über die Pulmonalvenen. Portaler Kreislauf (Pfortaderkreislauf): - Blut aus den Verdauungsorganen fließt über die Pfortader zur Leber, wo es entgiftet und - verarbeitet wird, bevor es wieder in den allgemeinen Kreislauf gelangt. Hochdruck-System: - Das arterielle System (Aorta, Arterien) hat einen hohen Druck, der notwendig ist, um das Blut in die Körpergewebe zu pumpen. Niederdruck-System: - Das venöse System (Venen) hat einen niedrigen Druck, da das Blut zurück zum Herzen fließt. 16. Wie sind Arterien und Venen aufgebaut? Welche Aufgaben haben Arterien, Venen, Kapillaren und Lymphgefäße? Was für Kapillar-Typen gibt es? Arterien: - Dicke Wand mit viel elastischem Gewebe, um dem hohen Druck des Blutes standzuhalten. Funktion: Transportieren Sauerstoffreiches Blut vom Herzen zu den Organen. Venen: - Dünnere Wand, mit weniger elastischem Gewebe. Venenklappen verhindern den Rückfluss des Blutes. Funktion: Transportieren sauerstoffarmes Blut zurück zum Herzen. Kapillaren: - Sehr dünnwandig (einzelliger Endothel), um den Gasaustausch und Nährstofftransport zu - ermöglichen. Funktion: Der Ort des Austauschs von O₂, CO₂, Nährstoffen und Abfallstoffen zwischen Blut und Gewebe. Lymphgefäße: - Transportieren Lymphe (Flüssigkeit aus Geweben) zurück ins Blutkreislaufsystem und spielen eine Rolle im Immunsystem. Kapillartypen: - Kontinuierliche Kapillaren: Durchgehende Wand ohne Lücken, in den meisten Geweben (z. B. Muskeln, Haut). - Fenestrierte Kapillaren: Mit Poren, die den Austausch von größeren Molekülen ermöglichen (z. B. in den Nieren und Darm). - Sinusoide Kapillaren: Weitlumig mit großen Lücken zwischen den Endothelzellen, in der Leber und im Knochenmark. 17. Was sind Windkesselgefäße, Widerstandsgefäße, Austauschgefäße und Kapazitätsgefäße? Nenne Beispiele und ihre Aufgaben! Windkesselgefäße (z. B. Aorta): - Elastische Gefäße, die den Druck aus der Systole speichern und in der Diastole abgeben. Funktion: Aufrechterhaltung eines gleichmäßigen Blutflusses. Widerstandsgefäße (z. B. Arteriolen): - Enger werdende Gefäße, die den Blutdruck regulieren. Funktion: Regulieren den Blutfluss in das Kapillarnetz. Austauschgefäße (Kapillaren): - Dünnwandige Gefäße, die den Stoffaustausch zwischen Blut und Gewebe ermöglichen. Kapazitätsgefäße (z. B. Venen): - Gefäße mit großer Kapazität, die Blut speichern können. Funktion: Regulieren das Blutvolumen und den venösen Rückfluss zum Herzen. 18. Beschreibe das Ohm’sche Gesetz / Blutströmung Q in Bezug auf den Kreislauf! Was ist der totale periphere Widerstand? Wie kann die Durchblutung reguliert werden? Ohm’sches Gesetz in Bezug auf Blutströmung: - Formel:𝑄=Δ𝑃𝑅 Q: Blutfluss (Durchblutung). ΔP: Druckdifferenz. R: Widerstand (abhängig von Gefäßradius, Länge und Viskosität des Blutes). Totale periphere Widerstand (TPR): - Der Gesamtwiderstand, den das Blut in den Arteriolen und kleinen Gefäßen erfährt. - TPR beeinflusst den Blutdruck. Regulation der Durchblutung: - Vasodilatation: Erweiterung der Blutgefäße zur Erhöhung des Blutflusses. - Vasokonstriktion: Verengung der Blutgefäße zur Verringerung des Blutflusses. 19. Was ist das Hagen-Poiseuille'sche Gesetz? Wovon hängt der Strömungswiderstand ab? Welche Strömungsarten gibt es? Hagen-Poiseuille’sches Gesetz: Formel: 𝑅=8⋅𝜂⋅𝑙𝜋⋅𝑟4 R= π⋅r 4 8⋅η⋅l η: Viskosität des Blutes. l: Länge des Gefäßes. r: Radius des Gefäßes. Strömungswiderstand: - Der Widerstand gegen den Blutfluss hängt vom Radius des Gefäßes ab, wobei eine Verengung des Gefäßes den Widerstand stark erhöht (4. Potenz des Radius). Strömungsarten: - Laminarer Fluss: Reibungsfreier, paralleler Fluss (typisch für kleinere Gefäße). - Turbulenter Fluss: Unregelmäßiger Fluss mit Wirbeln, typischerweise bei hohem Blutfluss oder in großen Gefäßen. 20. Wie kommt der systolische und diastolische Blutdruck zustande? Von welchen Parametern ist der Blutdruck abhängig? Was ist der arterielle Mitteldruck? Systolischer Blutdruck: - Entsteht, wenn das Herz Blut in die Arterien pumpt (Druckhöhe während der Systole). Diastolischer Blutdruck - Der niedrigere Wert, wenn sich das Herz zwischen den Schlägen entspannt und die Arterienwände durch die Elastizität den Blutdruck aufrechterhalten. Blutdruckabhängige Parameter: - Herzzeitvolumen (HZV): Je mehr Blut das Herz pro Minute pumpt, desto höher der Blutdruck. - Widerstand: Höhere Gefäßwiderstände erhöhen den Blutdruck. Arterieller Mitteldruck: - Der Durchschnittsdruck während eines Herzzyklus. Formel: MAP=DBP+ 31(SBP−DBP) DBP: Diastolischer Blutdruck, SBP: Systolischer Blutdruck. 21. Wie sind die Normalwerte des Blutdruckes? Wie misst man den Blutdruck nach Riva-Rocci? Was ist eine Hypertonie, was ist eine Hypotonie? Normalwerte des Blutdrucks: - Normal: 120/80 mmHg (Systole/Diastole). - Erhöhter Blutdruck: 121–129 / 80–84 mmHg. - Hypertonie Grad 1: 130–139 / 85–89 mmHg. - Hypertonie Grad 2: ≥ 140 / ≥ 90 mmHg. - Hypotonie: Systolischer Blutdruck < 90 mmHg. Blutdruckmessung nach Riva-Rocci: Methode: - Eine Manschette wird um den Oberarm angelegt und aufgepumpt, um die Blutzufuhr zu stoppen. - Der Druck in der Manschette wird langsam verringert, während der Arzt mit einem Stethoskop den Geräuschbeginn (Korotkoff-Geräusche) hört. - Der Druck, bei dem das Geräusch hörbar wird, ist der systolische Wert. - Wenn das Geräusch verschwindet, wird der diastolische Wert abgelesen. 22. Wie wird der Blutdruck reguliert? Nenne Auslöser für Blutdruckschwankungen! Regulation des Blutdrucks: Kurzfristig: - Barorezeptoren in den Karotiden und dem Aortenbogen registrieren den Blutdruck und senden Signale an das Gehirn, um eine sofortige Anpassung zu steuern (über das autonome Nervensystem). - Chemorezeptoren reagieren auf CO₂- und O₂-Spiegel im Blut und passen den Blutdruck an. Langfristig: - Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS): Reguliert den Blutdruck durch Wasser- und Natriumretention in den Nieren. - ADH (Antidiuretisches Hormon): Fördert die Wasserretention in den Nieren, um den Blutdruck zu erhöhen. Auslöser für Blutdruckschwankungen: - Körperliche Aktivität. - Emotionen (Stress, Angst). - Veränderungen in der Körperhaltung (z. B. Aufstehen). - Erkrankungen wie Hypertonie oder Hypotonie. 23. Wie erfolgt der venöse Rückstrom? Was ist Orthostase? Wie erfolgt die Regulation? Was ist ein Schock? Was für Schockformen gibt es? Venöser Rückstrom: - Der Rückstrom des Blutes von den Venen zum Herzen wird durch die Venenklappen, die Skelettmuskulatur (durch Muskelkontraktionen wird Druck auf das Blut ausgeübt) und die Atmung (durch den Unterdruck in der Brusthöhle bei der Inspiration) unterstützt. Orthostase: - Die plötzliche Änderung der Körperposition (z. B. Aufstehen nach längerem Sitzen oder Liegen) kann einen kurzfristigen Blutdruckabfall verursachen, da der venöse Rückstrom vorübergehend sinkt. Regulation: - Der Körper kompensiert durch Aktivierung des sympathischen Nervensystems, was die - Vasokonstriktion und eine Erhöhung der Herzfrequenz bewirken kann, um den Blutdruck zu stabilisieren. Schock: - Ein Zustand, in dem der Kreislauf das Gewebe nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen kann. Symptome: Niedriger Blutdruck, schneller Puls, kalte, blasse Haut. Schockformen: Hypovolämischer Schock: - Durch Blutverlust oder Flüssigkeitsmangel (z. B. bei starkem Blutverlust, Dehydration). Kardiogener Schock: - Durch verminderte Pumpleistung des Herzens (z. B. bei Herzinfarkt, Herzinsuffizienz). Septischer Schock: - Durch eine schwere Infektion, die eine systemische Entzündungsreaktion auslöst. Anaphylaktischer Schock: - Durch eine allergische Reaktion mit weitreichender Vasodilatation und Flüssigkeitsverlust. 24. Welche Besonderheiten müssen bei der Hydrotherapie und Herz-Kreislauferkrankungen berücksichtigt werden? Hydrotherapie bei Herz-Kreislauferkrankungen: - Thermische Belastung: Zu hohe Wassertemperaturen können zu einer Erweiterung der Blutgefäße und einem Abfall des Blutdrucks führen, was bei Patienten mit niedrigem Blutdruck problematisch sein kann. - Kreislaufunterstützung: Kaltwasseranwendungen können den Kreislauf stimulieren, indem sie die Blutzirkulation und den venösen Rückstrom fördern. - Vorsicht bei Flüssigkeitsmangel: Patienten mit Herzinsuffizienz sollten vorsichtig mit Hydrotherapie sein, da eine zu starke Flüssigkeitszunahme das Herz zusätzlich belasten kann. Fragen zu Arbeit und Leistung 1. Was ist der Grundumsatz? Unter welchen Umständen ist der Grundumsatz erhöht? Wie viel Energie wird benötigt bei Bürotätigkeit, Joggen, als Maurer und Spitzensportler? Was ist der PAL? Grundumsatz (GU): - Der Grundumsatz ist die Energiemenge, die der Körper im Ruhezustand benötigt, um lebenswichtige Funktionen wie Atmung, Herzschlag und Zellstoffwechsel aufrechtzuerhalten. - Normalwert: Ca. 1.200–1.800 kcal/Tag bei Erwachsenen, abhängig von Geschlecht, Alter, Körpergröße und -gewicht. Erhöhter Grundumsatz: Der GU kann erhöht sein bei: - Wachstum: Kinder und Jugendliche haben einen höheren GU. - Schwangerschaft und Stillzeit. - Fieber und Infektionen: Der Körper benötigt mehr Energie zur Bekämpfung von Krankheitserregern. - Muskelaufbau: Ein höherer Muskelanteil führt zu einem höheren GU, da Muskelgewebe mehr Energie verbraucht als Fettgewebe. Energiebedarf bei verschiedenen Aktivitäten: - Bürotätigkeit (Sitzen): Ca. 1,2–1,4 kcal pro kg Körpergewicht pro Stunde. - Joggen: Ca. 7–10 kcal pro Minute, abhängig von Geschwindigkeit und Intensität. - Maurerarbeit: 4–6 kcal pro kg Körpergewicht pro Stunde, aufgrund der körperlichen Belastung. - Spitzensportler: Der Energiebedarf kann auf über 5.000 kcal pro Tag steigen, abhängig von der Art und Intensität des Trainings. PAL (Physical Activity Level): - Der PAL-Wert beschreibt den Aktivitätsgrad und wird zur Berechnung des Gesamtenergiebedarfs verwendet. Beispielwerte: - Sedentary (sitzend, wenig Bewegung): 1,4–1,6 - Leichte Aktivität: 1,6–1,9 - Moderate Aktivität: 1,9–2,4 - Sehr intensive Aktivität: >2,4 2. Wie passt sich der Körper an die Arbeit an? Berücksichtige folgende Aspekte: metabolisch, O₂-Verbrauch, Durchblutung (F 19), Energiegewinnung (F 13)! Metabolische Anpassungen: Bei zunehmender körperlicher Belastung stellt sich der Körper so um, dass mehr Energie bereitgestellt wird: - Steigerung des Grundumsatzes: Mehr Energie wird benötigt, um die Arbeit zu leisten, insbesondere bei intensiven Übungen oder bei der Arbeit in heißen Umgebungen. - Verstärkter Einsatz von Fett als Energiequelle: Bei längerer Belastung (z. B. Ausdauersport) wird zunehmend Fett zur Energiegewinnung genutzt, um den Glykogenspeicher zu schonen. O₂-Verbrauch: - Der Körper passt den Sauerstoffverbrauch an die körperliche Belastung an. - Erhöhter O₂-Verbrauch: Bei intensiverer körperlicher Aktivität wird mehr Sauerstoff benötigt, was durch tiefere und schnellere Atmung sowie eine gesteigerte Herzfrequenz erreicht wird. Durchblutung: - Bei körperlicher Belastung wird die Durchblutung der Muskulatur erhöht, insbesondere der Arbeitsmuskulatur, während die Durchblutung der inneren Organe verringert wird. - Vasodilatation: Erweiterung der Blutgefäße in der Muskulatur ermöglicht mehr Sauerstoff und Nährstoffe zu den aktiven Zellen zu bringen. Energiegewinnung: - Kohlenhydrate sind die bevorzugte Energiequelle für kurzzeitige, intensive Belastung. - Fettverbrennung wird zunehmend wichtiger bei länger andauernden Aktivitäten. - ATP-Resynthese: Die Energie wird primär durch aerobe (mit Sauerstoff) und anaerobe (ohne Sauerstoff) Prozesse gewonnen. 3. Wie passt sich das Herz-Kreislaufsystem an (F20)? Was bedeutet Erholungspulssumme (F21)? Anpassung des Herz-Kreislaufsystems: - Bei regelmäßiger körperlicher Betätigung wird das Herz-Kreislaufsystem effizienter: - Herzfrequenz: Die Ruheherzfrequenz sinkt, da das Herz stärker wird und mehr Blut pro Schlag pumpen kann (höheres Schlagvolumen). - Steigerung des Herzzeitvolumens: Das Herz kann mehr Blut pro Minute pumpen, was die Versorgung der Muskulatur mit Sauerstoff verbessert. Erholungspulssumme (EPR): - Die Erholungspulssumme bezeichnet die Differenz zwischen der maximalen Herzfrequenz und der Herzfrequenz während der Erholungsphase nach einer Belastung. - Eine schnelle Rückkehr des Pulses zur Ruhefrequenz deutet auf eine gute kardiovaskuläre Fitness hin. - Eine langsame Erholung weist auf eine schlechtere kardiovaskuläre Gesundheit hin. 4. Wie passt sich das Respirationssystem an (F22ff)? Was bedeutet O₂-Schuld (F27)? Anpassung des Respirationssystems: - Verstärkter Lungenventilation: Die Atemfrequenz und -tiefe steigen, um mehr Sauerstoff aufzunehmen und mehr CO₂ abzugeben. - Erhöhte Diffusionskapazität: Bei Ausdauertraining steigt die Fähigkeit der Lunge, Gase zwischen Blut und Lungenbläschen auszutauschen. 1. O₂-Schuld: - O₂-Schuld tritt auf, wenn der Körper während intensiver körperlicher Aktivität mehr Sauerstoff benötigt, als sofort verfügbar ist. Der Körper muss nach der Belastung zusätzlichen Sauerstoff aufnehmen, um die Sauerstoffdefizite zu „decken“ (auch bekannt als „Nachbelastung“). - Dies führt zu einer erhöhten Atmung und einem Anstieg des Sauerstoffverbrauchs in der Erholungsphase. 5. Wie definiert sich die Dauerleistung? Dauerleistung: - Dauerleistung bezieht sich auf die maximale Leistungsfähigkeit, die über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden kann, ohne dass der Körper schnell ermüdet. - Sie wird vor allem durch die aerobe Energiegewinnung bestimmt. Beispiel: Marathonlaufen, Langstreckenradfahren. 6. Wie kann man eine Leistungsdiagnostik durchführen und interpretieren? Was bedeutet Ermüdung? Leistungsdiagnostik: - Die Leistungsdiagnostik kann durch verschiedene Tests erfolgen: - Laktatstufentest: Bestimmt den Punkt, an dem Laktat im Blut signifikant ansteigt (Lactat-Schwelle). - Spiroergometrie: Misst die Sauerstoffaufnahme und den Kohlendioxid-Ausstoß bei Belastung. - Herzfrequenzmessung: Bestimmung der maximalen Herzfrequenz und der Erholungsherzfrequenz. Ermüdung: - Ermüdung ist ein Leistungsabfall aufgrund von physiologischen und/oder psychologischen Faktoren: - Physiologisch: Aufgebrauch von Energiereserven (z. B. Glykogen, ATP) oder Ansammlung von Abfallprodukten wie Laktat. - Psychologisch: Motivationsverlust oder mentale Erschöpfung. 7. Was ist Training? Welche Arten gibt es? Erläutere die BORG-Skala! Training: - Training ist die systematische und wiederholte körperliche Belastung, die dazu dient, die körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern. Arten des Trainings: Ausdauertraining: - Verbesserung der aeroben Kapazität und der kardiovaskulären Fitness (z. B. Laufen, Schwimmen). Krafttraining: - Verbesserung der Muskelkraft und der Muskelmasse (z. B. Gewichtheben). Sprinttraining: - Verbesserung der Explosivkraft und anaeroben Leistungsfähigkeit. Intervalltraining: - Wechsel zwischen intensiven Belastungs- und Erholungsphasen. BORG-Skala: - Die BORG-Skala misst die subjektive Anstrengung während körperlicher Belastung. - Skala reicht von 6 (sehr leicht) bis 20 (sehr schwer), wobei der Wert mit der tatsächlichen Herzfrequenz korreliert. 8. Erkläre die Bedeutung von Lactat in der Sportphysiologie! Lactat: - Lactat (Milchsäure) entsteht bei intensiver anaerober Energiegewinnung, wenn der - Körper mehr Energie benötigt, als mit Sauerstoff bereitgestellt werden kann. - Laktatschwelle: Der Punkt, an dem Lactat schneller produziert wird, als es abgebaut werden kann, was zu einer Übersäuerung führt und die Leistung begrenzt. - Training kann helfen, die Laktatschwelle zu verschieben, sodass intensivere Anstrengungen länger aufrechterhalten werden können. 9. Welche Formen des Dopings gibt es? Dopingarten: Pharmakologisches Doping: - Verwendung von Substanzen wie Anabolika, Erythropoetin (EPO) oder Stimulanzien zur Leistungssteigerung. Blutdoping: - Aufwertung der Sauerstofftransportkapazität durch Eigen- oder Fremdbluttransfusionen oder EPO. Gendoping: - Veränderung des genetischen Materials, um die Leistungsfähigkeit zu steigern. Fragen zu Gastrointestinaltrakt 1. Welche Nährstoffe brauchen wir? Wie energiereich sind diese? Hauptnährstoffe: Proteine (Eiweiße): - Funktion: Aufbau und Reparatur von Gewebe, Bildung von Enzymen und Hormonen. - Täglicher Bedarf: Mindestens 0,5 g/kg Körpergewicht für eine ausgeglichene Stickstoffbilanz (z. B. 35 g für eine Person mit 70 kg). - Biologische Wertigkeit: Mehr als 50 % sollten tierischen Ursprungs sein, da sie essentielle Aminosäuren in optimaler Zusammensetzung enthalten. - Energiedichte: 4,1 kcal/g. - Beitrag zum Energiebedarf: Etwa 12 %. Kohlenhydrate: - Funktion: Wichtigste Energiequelle für den Körper. - Täglicher Bedarf: 50-60 % des gesamten Energiebedarfs. - Quellen: Stärke, Zucker, Glykogen. - Energiedichte: 4,1 kcal/g. Fette: - -Funktion: Energiespeicher, Träger fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K). - Täglicher Bedarf: 25-30 % des Energiebedarfs. - Energiedichte: 9,2 kcal/g.Essentielle Fettsäuren: Unverzichtbar für den Körper, z. B. Omega-3 und Omega-6. Vitamine: - Funktion: Regulierung von Stoffwechselprozessen. - Wichtige Vitamine: Vitamin A (Sehkraft), Vitamin D (Knochenaufbau), Vitamin C (Immunsystem). - Mineralstoffe und Spurenelemente: - Calcium: Wichtig für Knochen und Muskeln (800 mg/Tag). Eisen: Essenziell für die Blutbildung (10-20 mg/Tag). Jod: Notwendig für die Schilddrüsenfunktion (0,15 mg/Tag). Wasser: - Funktion: Löst Nährstoffe, reguliert die Körpertemperatur. - Täglicher Bedarf: Etwa 2 Liter durch Nahrung und Getränke. 2. Was ist der Grundumsatz? Wie berechnet sich der Energieverbrauch? Wovon ist der Energieverbrauch abhängig? Grundumsatz (GU): - Die Energiemenge, die der Körper in völliger Ruhe benötigt, um lebenswichtige Funktionen wie Atmung, Herzschlag und Stoffwechsel aufrechtzuerhalten. Berechnung: - Der GU beträgt ca. 1700 kcal/Tag für einen Mann (70 kg) und 1500 kcal/Tag für eine Frau. - Erhöht sich in Wachstumsphasen, sinkt ab dem 40.-50. Lebensjahr um ca. 10 %. Gesamtenergieverbrauch: - Gesamtenergieverbrauch = Grundumsatz + Leistungsumsatz (körperliche Aktivität) Beispiele: - Freizeitumsatz: ca. 30 % über dem Grundumsatz. - Leichte körperliche Arbeit: +2000 kJ/Tag. - Schwere körperliche Arbeit: bis zu 10.000 kJ/Tag zusätzlich. - Einflussfaktoren: - Körpergewicht und -größe. - Alter. - Geschlecht. - Muskelmasse. - Hormonelle Faktoren. 3. Was ist der BMI? Wie berechnet er sich? Was sind die Normalwerte? Body Mass Index (BMI): Formel: - BMI=Körpergewicht (kg)Gro¨ße (m)2 - BMI=Größe(m) 2Körpergewicht (kg) Klassifikation: - Untergewicht: < 18,5 kg/m² - Normalgewicht: 18,5 - 24,9 kg/m² - Übergewicht: 25 - 29,9 kg/m² - Adipositas: > 30 kg/m² 4. Welche Abschnitte hat das Verdauungssystem? Was sind die grundsätzlichen Funktionen? Mundhöhle: Mechanische Zerkleinerung und enzymatische Vorverdauung der Nahrung. Pharynx (Rachen): Weiterleitung der Nahrung in den Ösophagus. Ösophagus: Transport der Nahrung in den Magen. Magen: Speicherung und chemische Verdauung der Nahrung durch Magensäure. Dünndarm: Hauptort der Verdauung und Resorption von Nährstoffen. Dickdarm: Resorption von Wasser und Elektrolyten, Speicherung des Stuhls. Rektum: Ausscheidung unverdaulicher Reste. 5. Beschreibe die Funktionen von Mundhöhle, Pharynx und Larynx! Mundhöhle: - Zähne zerkleinern die Nahrung mechanisch. - Speichel enthält α-Amylase zur Kohlenhydratverdauung. - Die Zunge bewegt die Nahrung und leitet den Schluckvorgang ein. Pharynx (Rachen): - Verschließt beim Schlucken den Nasen-Rachen-Raum. - Transportiert Nahrung zum Ösophagus. Larynx (Kehlkopf): - Verschließt die Luftröhre während des Schluckens, um das Eindringen von Nahrung zu verhindern. 6. Beschreibe den Magen-Aufbau! Welche Funktionen hat der Magen? Was produzieren die Magen-Zellen? Aufbau: - Kardia: Übergang vom Ösophagus. - Fundus: Speichert Luft und Nahrung. - Korpus: Hauptteil des Magens. - Antrum: Verdauungsvorgänge vor der Weiterleitung in den Dünndarm. - Pylorus: Schließt den Magen zum Duodenum ab. Zellen: - Belegzellen: Produzieren HCl (Salzsäure) und den Intrinsic-Faktor (für Vitamin B12). - Hauptzellen: Produzieren Pepsinogen (zur Proteinverdauung). - Nebenzellen: Bilden schützenden Schleim und Bicarbonat. Malabsorption: - Störung der Nährstoffaufnahme durch Entzündungen oder Schäden der Darmwand (z. B. Morbus Crohn, Zöliakie). Fragen zu Hormone 1. Was sind Hormone? Wie funktioniert die Hormonsteuerung im hypothalamisch-hypophysären System? Hormone sind chemische Botenstoffe, die meist langsam und langfristig wirken. Sie werden von endokrinen Drüsen oder Zellen produziert und nutzen das Blut als Transportmedium. Über Rezeptoren an Zielzellen entfalten sie ihre Wirkung und beeinflussen Stoffwechsel, Wachstum, Reifung sowie das innere Milieu des Körpers. Sie arbeiten eng mit dem Nervensystem zusammen und unterliegen Regelkreisläufen, oft durch negative Rückkopplung. Die Hormonsteuerung im hypothalamisch-hypophysären System verläuft hierarchisch: 1. Ein nervaler Reiz im ZNS führt zur Ausschüttung von Releasing-Hormonen (RH) oder Inhibitor-Hormonen (IH) im Hypothalamus. 2. Diese steuern die Hypophyse, die Steuerhormone freisetzt. 3. Die Steuerhormone wirken auf endokrine Zielorgane und regen dort die Produktion der eigentlichen Hormone an. 4. Sobald genügend Hormone im Blut sind, hemmt eine negative Rückkopplung die weitere Ausschüttung der Steuerhormone. 2. Welche Stoffe werden im Hypothalamus, welche in der Hypophyse gebildet? Auf welche Organe wirken diese hypophysären Hormone? Im Hypothalamus: Releasing-Hormone (RH): Fördern die Ausschüttung von Hormonen in der Hypophyse. Inhibitor-Hormone (IH): Hemmen die Ausschüttung von Hypophysenhormonen. Direkte Hormone: ○ ADH (Adiuretin): Wirkt auf die Niere und fördert die Wasserresorption. ○ Oxytocin: Verantwortlich für Uteruskontraktionen, Milcheinschuss und emotionale Bindungen. In der Hypophyse: Vorderlappen (Drüsengewebe): ○ FSH, LH: Wirken auf die Gonaden (Fortpflanzungsorgane). ○ PRL (Prolactin): Stimuliert die Milchdrüsen. ○ TSH: Wirkt auf die Schilddrüse. ○ ACTH: Wirkt auf die Nebennierenrinde. ○ STH: Fördert Wachstum. ○ MSH: Beeinflusst die Hautpigmentierung. Hinterlappen (Hirngewebe): ○ Speichert und schüttet ADH und Oxytocin aus (gebildet im Hypothalamus). 3. Wie heißen die von den Steuerhormonen gebildeten peripheren Hormone und wie und wo wirken sie? Östrogene, Gestagene, Testosteron: In den Gonaden, beeinflussen Fortpflanzung und Knochenstoffwechsel. Thyroxin (T4), Trijodthyronin (T3): In der Schilddrüse, aktivieren Wachstum und Stoffwechsel. Somatomedine: In der Leber, fördern Wachstum. Glukokortikoide (z. B. Cortisol): In der Nebennierenrinde, regulieren Stoffwechsel und Stressantwort. Mineralokortikoide (z. B. Aldosteron): Regulieren den Elektrolythaushalt. 4. Was sind endokrine Drüsen, was sind exokrine Drüsen? Was sind endokrine Zellen? Was bedeutet parakrine Wirkung? Endokrine Drüsen: Produzieren Hormone, die ins Blut abgegeben werden (z. B. Schilddrüse, Nebennieren). Exokrine Drüsen: Sekrete gelangen an eine äußere oder innere Oberfläche (z. B. Speicheldrüsen). Endokrine Zellen: Verteilt in Organen, geben Hormone direkt ins Blut ab. Parakrine Wirkung: Hormone wirken lokal auf benachbarte Zellen, z. B. Gewebehormone. 5. Welche hypophysen-unabhängigen Hormone gibt es? Wie wirken sie? Adrenalin (Nebennierenmark): Stresshormon, steigert Herzfrequenz und Energie. Erythropoietin (Niere): Fördert die Blutbildung. Calcitriol (Niere): Reguliert Calciumhaushalt und Knochenstoffwechsel. Insulin, Glukagon (Pankreas): Regulieren den Blutzucker (siehe Frage 6). Calcitonin, Parathormon (Nebenschilddrüse): Regulieren Calciumspiegel und Knochenauf-/-abbau. 6. Wie wirkt Insulin? Was ist ein Typ I und ein Typ II Diabetes mellitus? Insulinwirkung: Fördert die Aufnahme von Glukose in Zellen und deren Umwandlung in ATP. Hemmt die Glukoneogenese, fördert Glykogensynthese. Diabetes Typ I: Fragen zu Neurophysiologie 1. Was sind primäre und sekundäre Sinneszellen? ○ Primäre Sinneszellen: Diese Sinneszellen sind Nervenzellen, die den Reiz direkt aufnehmen und ihn in Form eines Aktionspotentials weiterleiten. Das bedeutet, sie haben sowohl die Funktion eines Rezeptors als auch die eines Neurons. Beispiele sind die Geruchsrezeptoren in der Nase oder Nozizeptoren in der Haut, die Schmerz wahrnehmen. ○ Sekundäre Sinneszellen: Diese Sinneszellen nehmen den Reiz auf, besitzen jedoch selbst keine Axone und leiten die Information über eine Synapse an eine nachgeschaltete Nervenzelle weiter. Ein Beispiel sind die Haarzellen im Innenohr, die Bewegungen der Flüssigkeit in der Cochlea registrieren und an Neuronen weitergeben. 2. Was ist ein adäquater Reiz? Ein adäquater Reiz ist die spezifische Reizart, auf die ein Rezeptor optimal reagiert. ○ Beispiel: Stäbchen und Zapfen in der Retina des Auges reagieren auf Lichtwellen bestimmter Wellenlängen (adäquater Reiz). ○ Obwohl Rezeptoren auch auf andere Reize reagieren können (z. B. Druck auf das Auge erzeugt Lichtempfindung), ist der Energieaufwand bei einem adäquaten Reiz minimal. 3. Erkläre die Begriffe Transduktion und Transformation! ○ Transduktion: Der Prozess, bei dem ein physikalischer oder chemischer Reiz in ein elektrisches Signal umgewandelt wird. Zum Beispiel wandelt ein Mechanorezeptor Druck in ein Rezeptorpotential um. ○ Transformation: Die Umwandlung des Rezeptorpotentials in ein Aktionspotential, das über die afferenten Nervenfasern ins zentrale Nervensystem weitergeleitet wird. 4. Welche Sinne kennen wir? Die Sinne lassen sich in klassische und weitere Sinne einteilen: ○ Klassische Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen. ○ Weitere Sinne: Propriozeption: Tiefensensibilität, die uns die Position und Bewegung unserer Gliedmaßen vermittelt. Thermorezeption: Wahrnehmung von Wärme und Kälte. Nozizeption: Schmerzempfindung. Gleichgewichtssinn: Wahrnehmung der Körperlage im Raum, vermittelt durch das Vestibularorgan. 5. Was sind ionotrope und metabotrope Rezeptoren? ○ Ionotrope Rezeptoren: Diese Rezeptoren öffnen bei Bindung eines Liganden direkt Ionenkanäle in der Zellmembran, wodurch Ionen wie Natrium oder Kalzium in die Zelle einströmen. Der Effekt tritt schnell ein. Beispiel: Acetylcholinrezeptor an der motorischen Endplatte. ○ Metabotrope Rezeptoren: Diese Rezeptoren lösen nach Ligandenbindung eine Signalkaskade über G-Proteine aus, die indirekt Ionenkanäle öffnen oder andere Zellprozesse regulieren. Der Effekt ist langsamer, aber länger anhaltend. Beispiel: Muskarinische Rezeptoren. 6. Welche Typen von Sensoren gibt es? Sensoren können nach ihrem Funktionsprinzip unterschieden werden: ○ P-Sensoren (Proportional): Reagieren kontinuierlich auf die Reizstärke. Sie adaptieren langsam, wie z. B. Merkel-Zellen. ○ D-Sensoren (Differential): Reagieren nur auf Reizänderungen. Sie adaptieren schnell, wie z. B. Pacini-Körperchen. ○ P-D-Sensoren: Kombinieren beide Funktionen und sind die häufigste Sensorklasse. 7. Was verstehen wir unter Divergenz, Konvergenz, lateraler Hemmung, rekurrenter Hemmung? ○ Divergenz: Ein einzelnes Neuron teilt seine Signale auf mehrere Zielneuronen auf. Dies ermöglicht die Verteilung der Information an verschiedene Bereiche. ○ Konvergenz: Mehrere Neuronen übertragen ihre Signale auf ein einzelnes Zielneuron. Dies verbessert die Signalverarbeitung und Integration. ○ Laterale Hemmung: Neuronen hemmen benachbarte Nervenzellen, wodurch Kontraste verstärkt werden (z. B. im visuellen System für Schärfekontraste). ○ Rekurrente Hemmung: Ein Neuron hemmt sich selbst oder benachbarte Neuronen über eine Rückkopplungsschleife. Dies dient der Kontrolle und Stabilisierung neuronaler Aktivität. 8. Welche zwei Bahnsysteme gibt es in der Somatosensorik? ○ Lemniskales System (Hinterstrangsystem): Leitet Informationen über feine Berührungen und Propriozeption. Es verläuft über den Hinterstrang des Rückenmarks und kreuzt in der Medulla oblongata. ○ Spinothalamisches System (Vorderseitenstrang): Leitet Schmerz- und Temperaturinformationen. Es kreuzt bereits auf Segmentebene im Rückenmark und steigt auf der Gegenseite auf. 9. Wie können wir Nervenfasern klassifizieren? Gib Beispiele! Nervenfasern werden nach ihrer Leitungsgeschwindigkeit und Funktion unterschieden: ○ Aα: Schnelle Fasern für Propriozeption und motorische Signale. ○ Aβ: Mittelschnelle Fasern für Mechanosensibilität. ○ Aδ: Langsame Fasern für Schmerz (stechend) und Temperatur. ○ C-Fasern: Sehr langsame Fasern für dumpfen Schmerz und Temperatur. 10. Welche Mechanorezeptoren gibt es an der Haut? ○ Meissner-Körperchen: Geschwindigkeit und Berührung. ○ Merkel-Zellen: Vertikaler Druck, Textur. ○ Ruffini-Körperchen: Dehnung und laterale Zugspannung. ○ Pacini-Körperchen: Vibration und Beschleunigung. 11. Erkläre: Intensitätsschwelle, 2-Punkte-Diskriminierung, simultane und sukzessive Raumschwelle! Intensitätsschwelle: Kleinster Reiz, der wahrgenommen wird. ○ 2-Punkte-Diskriminierung: Fähigkeit, zwei Berührungen als getrennt wahrzunehmen. ○ Simultane Raumschwelle: Empfindlichkeit für räumliche Muster, wie Punkte auf der Haut. ○ Sukzessive Raumschwelle: Wahrnehmung von zeitlich versetzten Berührungen. 12. Wie erfolgt die Propriozeption? Welche Sinnesleistung wird erbracht? Wozu dient sie? ○ Ablauf: Propriozeption erfolgt über Rezeptoren wie Muskelspindeln, Golgi-Sehnenorgane, Gelenksensoren und Hautsensoren. Diese nehmen Informationen über die Position, Bewegung und Kraft unserer Gliedmaßen auf. Die Signale werden über afferente Bahnen (vorwiegend über das lemniskale System) an das zentrale Nervensystem weitergeleitet. ○ Sinnesleistung: Lagesinn: Wahrnehmung der Stellung von Gelenken. Bewegungssinn: Erkennung von Bewegung und Geschwindigkeit. Kraftsinn: Wahrnehmung der aufgebrachten Muskelkraft. ○ Funktion: Propriozeption ist essentiell für die Steuerung und Koordination der Körperhaltung, des Gleichgewichts und der Zielmotorik (z. B. Greifen oder Gehen). 13. Beschreibe den Aufbau einer Muskelspindel und eines Golgi-Sehnenorgans! ○ Muskelspindel: Lage: Parallel zu den Muskelfasern. Aufbau: Intrafusale Muskelfasern mit sensorischen Endigungen (Ia- und II-Fasern). Eingebettet in eine Bindegewebskapsel. Durch Gamma-Motoneurone reguliert. Funktion: Misst die Länge und Dehnung des Muskels und sorgt über den Eigenreflex für die Konstanthaltung der Muskelspannung. ○ Golgi-Sehnenorgan: Lage: In den Übergangsbereichen von Muskel und Sehne, seriell zu den Muskelfasern. Aufbau: Sensorische Nervenfasern (Ib-Fasern) innerhalb einer Kollagenstruktur. Funktion: Misst die Muskelspannung und schützt den Muskel vor Überdehnung durch Hemmung des α-Motoneurons (autogener Hemmreflex). 14. Beschreibe den Temperatursinn! Was ist die Indifferenzzone? Was ist das Besondere an den Thermorezeptoren? Was ist das paradoxe Temperaturempfinden? ○ Temperatursinn: Temperatur wird durch freie Nervenendigungen in der Haut wahrgenommen. Kälterezeptoren (Aδ-Fasern) und Wärmerezeptoren (C-Fasern) sind aktiv im Bereich von 10-45°C. ○ Indifferenzzone: Temperaturbereich zwischen 30-35°C, in dem die Haut keine Temperatur wahrnimmt (neutral). ○ Besonderheiten der Thermorezeptoren: Sie sind Proportional-Differential-Sensoren und reagieren sowohl auf die absolute Temperatur als auch auf Temperaturänderungen. Thermorezeptoren können durch chemische Substanzen wie Menthol (kühlend) oder Capsaicin (brennend) aktiviert werden. ○ Paradoxes Temperaturempfinden: Schnelle Erhitzung über 45°C kann zunächst ein Kälteempfinden auslösen. Dies geschieht durch inadäquate Erregung der Kälterezeptoren. 15. Was ist ein Brown-Sequard-Syndrom? Was ist eine funikuläre Myelose? ○ Brown-Sequard-Syndrom: Halbseitige Rückenmarksläsion, führt zu: Ipsilateraler Lähmung und Verlust der feinen Berührungssensibilität (epikritisch). Kontralateralem Verlust von Schmerz- und Temperaturempfinden (protopathisch). ○ Funikuläre Myelose: Schädigung der Hinterstränge des Rückenmarks durch Vitamin-B12-Mangel. Symptome: Verlust der epikritischen Sensibilität und Gangunsicherheit (sensibilitätsbedingte Ataxie). 16. Wie wird die Schmerzempfindung vermittelt? Welche Schmerzarten gibt es? ○ Vermittlung: Schmerz wird durch freie Nervenendigungen (Nozizeptoren) registriert, die auf mechanische, thermische oder chemische Reize reagieren. Leitung erfolgt über: Aδ-Fasern: Schnelle, stechende Schmerzen. C-Fasern: Langsame, brennende Schmerzen. ○ Schmerzarten: Somatischer Schmerz: Oberflächenschmerz (z. B. Haut) und Tiefenschmerz (z. B. Muskeln). Viszeraler Schmerz: Dumpfer Schmerz in den Organen, schwer lokalisierbar. Projizierter Schmerz: Schmerz entlang eines Nervs (z. B. bei einem Bandscheibenvorfall). Übertragener Schmerz: Schmerz in der Haut oder Muskulatur bei inneren Organproblemen (z. B. Myokardinfarkt → linker Arm). 17. Was sind Headsche Zonen? Beschreibe den cuti-viszeralen Reflexbogen! ○ Headsche Zonen: Hautareale, die reflektorisch mit bestimmten inneren Organen verbunden sind. Beispiel: Schmerzen in der rechten Schulter bei Gallenblasenproblemen. ○ Cuti-viszeraler Reflexbogen: Hautreize können über neuronale Verschaltungen die Funktion innerer Organe beeinflussen (z. B. Massage zur Linderung von Magenproblemen). 18. Was ist die Aufgabe von Renshaw-Zellen? Wie kommt es zur Fazilitation/Disfazilitation? ○ Renshaw-Zellen: Spezielle Interneurone im Rückenmark, die die Aktivität von Motoneuronen hemmen (rekurrente Hemmung). Funktion: Stabilisierung der Muskelkontraktionen und Verhinderung von Überaktivität. ○ Fazilitation: Erleichterung der Erregungsweiterleitung durch erhöhte synaptische Aktivität. ○ Disfazilitation: Hemmung der synaptischen Aktivität, die die Erregungsweiterleitung reduziert. 19. Was ist ein Reflex? Welche Arten von Reflexen gibt es? Wozu dienen sie? Nenne Beispiele! ○ Reflex: Eine unwillkürliche, stereotype Reaktion auf einen bestimmten Reiz. ○ Arten: Eigenreflex: Reiz und Reaktion im selben Organ (z. B. Patellarsehnenreflex). Fremdreflex: Reiz und Reaktion in unterschiedlichen Organen (z. B. Rückziehreflex). ○ Funktion: Schutzfunktion, Aufrechterhaltung der Haltung und Bewegung. 20. Beschreibe die Verschaltung eines Muskeleigenreflexes! ○ Dehnungsreiz wird von Muskelspindeln wahrgenommen. ○ Ia-Afferenz leitet den Reiz ins Rückenmark. ○ Umschaltung auf α-Motoneuron im Vorderhorn. ○ Kontraktion des gleichen Muskels. 21. Erkläre die autorhythmische Funktion des Rückenmarks unter dem Begriff der Lokomotion! ○ Lokomotion: ○ Das Rückenmark enthält zentrale Mustergeneratoren, die rhythmische Bewegungen (z. B. Gehen) auch ohne direkte Gehirnsteuerung ermöglichen. 22. Welche Bahnen im Rückenmark sind an der Motorik beteiligt? ○ Pyramidenbahn (Tractus corticospinalis): Feinmotorik, bewusste Bewegungssteuerung. Extrapyramidale Bahnen: Steuerung von Haltung und groben Bewegungen (z. B. Tractus rubrospinalis, vestibulospinalis). Fragen zu Blut 1. Was sind die Aufgaben des Blutes? Woraus setzt sich das Blut zusammen? Aufgaben des Blutes: - Transport von Sauerstoff (O₂), Kohlendioxid (CO₂), Nährstoffen, Stoffwechselprodukten, Hormonen, Vitaminen und Elektrolyten. - Wärmeverteilung im Körper. - Signalübermittlung. - Abwehr von Mikroorganismen und körperfremden Stoffen. - Aufrechterhaltung des inneren Milieus (z. B. pH-Wert, Elektrolyte). - Blutgerinnung. Zusammensetzung: Blutzellen: - Erythrozyten (rote Blutkörperchen): Sauerstofftransport, Pufferung. - Leukozyten (weiße Blutkörperchen): Abwehr. - Thrombozyten (Blutplättchen): Blutstillung. - Plasma: Wasser (90 %), Elektrolyte, Proteine, Nährstoffe, Stoffwechselprodukte, Hormone. 2. Wie werden Erythrozyten gebildet und abgebaut? Was ist ihre Funktion? rote Blutkörperchen Bildung (Erythropoese): - Ort: Rotes Knochenmark (bei Föten auch in Milz und Leber). Prozess: - Pluripotente Stammzellen differenzieren unter Einfluss von Erythropoetin (EPO), Vitamin B12 und Folsäure. - Reifung dauert 7–9 Tage. Eigenschaften: - Kernlose Zellen ohne Mitochondrien, daher nur anaerobe Glykolyse. - Lebensdauer: ca. 120 Tage. Abbau: - Ort: Milz (rote Pulpa). Vorgang: - Makrophagen bauen alte Erythrozyten ab. - Häm wird zu Bilirubin abgebaut; Eisen wird recycelt. Funktion: - Transport von O₂ und CO₂. - Pufferung des Blut-pH-Wertes. 3. Was ist eine Anämie? Welche Arten von Anämien gibt es? Definition: Ein Zustand mit zu wenig Erythrozyten oder Hämoglobin. Arten: Eisenmangelanämie: - Ursache: Eisenmangel, Resorptionsstörung. - Charakteristik: Kleine, blasse Erythrozyten (mikrozytär, hypochrom). - Vitamin B12-/Folsäuremangelanämie: - Ursache: Mangel an diesen Nährstoffen. - Charakteristik: Große, überladene Erythrozyten (makrozytär, hyperchrom). Renale Anämie: - Ursache: Niereninsuffizienz → Erythropoetin-Mangel. - Charakteristik: Normozytär, normochrom. Hämolytische Anämie: - Ursache: Übermäßiger Abbau der Erythrozyten. 4. Wie werden Leukozyten gebildet? Welche Arten von Leukozyten gibt es? Was ist ihre Funktion? Bildung: - Im Knochenmark aus pluripotenten Stammzellen. Arten und Funktionen: Granulozyten: - Neutrophile: Phagozytose von Bakterien. - Eosinophile: Abwehr von Parasiten, beteiligt an allergischen Reaktionen. - Basophile: Freisetzung von Histamin, allergische Sofortreaktion. - Monozyten/Makrophagen: Funktion: Phagozytose, Antigenpräsentation. Lymphozyten: - B-Lymphozyten: Produktion von Antikörpern (humorale Immunität). - T-Lymphozyten: Direkte Abwehr von Infektionen und Kontrolle des Immunsystems. 5. Welche Arten der Immunabwehr gibt es? Unspezifische Abwehr (angeboren): - Zellulär: Neutrophile, Makrophagen, natürliche Killerzellen. - Humoral: Komplementsystem, Akut-Phase-Proteine. Spezifische Abwehr (erworben): - Zellulär: T-Lymphozyten.

Use Quizgecko on...
Browser
Browser