Außenhandel, Globalisierung und Rodriks Trilemma: Vorlesung PDF

Document Details

WorthSousaphone5382

Uploaded by WorthSousaphone5382

Humboldt-Universität zu Berlin

Tags

Globalisierung Außenhandel Volkswirtschaft Trilemma

Summary

Diese Vorlesung befasst sich mit Außenhandel, Globalisierung und dem Trilemma. Im Fokus stehen Themen wie die Definition von Globalisierung, Spezialisierung und Handel, sowie die deutsche Zahlungsbilanz. Darüber hinaus werden die Kosten der Deglobalisierung und die Zukunft der Globalisierung erörtert.

Full Transcript

https://hu-berlin.zoom-x.de/my/nikolauswolf Vorlesung 13 Außenhandel, Globalisierung, und Rodriks Trilemma Übersicht Datum VL-Nr...

https://hu-berlin.zoom-x.de/my/nikolauswolf Vorlesung 13 Außenhandel, Globalisierung, und Rodriks Trilemma Übersicht Datum VL-Nr Themen VL CORE-Econ 21. 10. 2024 1 Was ist VWL, was ist Wirtschaftsgeschichte? Wohlstand und Ressourcen 1 28. 10. 2024 2 Wissenschaftstheorie, Malthus, und Industrielle Revolution 2 04. 11.2024 3 Knappheit, Arbeit und individuelle Entscheidungen 3 11.11.2024 4 Soziale Interaktion 4 18.11.2024 5 Eigentum und Macht: Interesse und Konflikt 5 25.11.2024 6 Unternehmen, Unvollständige Verträge 6, 7 02.12.2024 7 Angebot und Nachfrage, Gleichgewicht und Schocks 8, 11 09.12.2024 8 Marktversagen und Politik, Arbeitsmärkte 9, 12, 13 16.12.2024 9 Geld, Kredit, Banken. Der Goldstandard 10 06.01.2025 10 Inflation und Geldpolitik. Die deutsche Hyperinflation 15 13.01.2025 11 Fiskalpolitik und Arbeitslosigkeit 14, 17 (a) Die Weltwirtschaftskrise und politischer Extremismus 20.01.2025 12 Das Makroökonomische Trilemma. Entwicklung vom „goldenen Zeitalter“ zur Finanzkrise 17 (b) 27.01.2025 Probeklausur mit Nachbesprechung 03.02.2025 13 Außenhandel, Zahlungsbilanz und Globalisierung 18 10.02.2025 14 Rückblick und Fragen PLAN A. Einführung B. “Globalisierung”: Definition, Messung, Entwicklung C. Spezialisierung und Handel D. Die Rolle von Politik und Institutionen E. Beispiel: Deutschlands Zahlungsbilanz, 1883-2016 F. Ausblick: zur Zukunft der Globalisierung A. Einführung Amazon: weltweite Beschäftigung 2007-2022 Volkswagen Standorte Kontext Tauschbeziehungen können beidseitig vorteilhaft sein, aber es können Konflikte über die Aufteilung der Gewinne entstehen. Wenn Güter/Dienstleistungen, Menschen und Kapital nationale Grenzen überwinden können, sind neue Faktoren zu berücksichtigen. Wie können Staaten Handel und Faktorströme beeinflussen? Wer profitiert, wer verliert durch Globalisierung? Wo liegen die Grenzen der Globalisierung? B. “Globalisierung”: Definition, Messung, Entwicklung „Globalisierung“: Definition Märkte für Massengüter und/ oder Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital in geographisch weit entfernten Regionen beeinflussen sich gegenseitig Bsp.: Getreideernte in Ukraine hat Folgen für Afrika, Wachstum in China lässt weltweit Energiepreise steigen, etc. „Globalisierung“: Vorgeschichte „Pax Mongolica“ im 13. Jhd. fördert Handel zwischen Europa und Asien über den Landweg (Seidenstrasse), Marco Polo (1245-1324): Handel zwischen Venedig und China u.a. mit Edelsteinen Die Grosse Pest um 1347/50 tötet 1/3 der europäischen Bevölkerung  Konsequenz: pro Kopf Einkommen steigt (siehe Malthus)  dadurch höhere Nachfrage nach Luxusgütern? (Findlay/ Lundahl 2000) Kurz darauf (um 1380) zerfällt das Mongolenreich Der Landweg wird unsicherer, aber die Nachfrage nach Luxusgütern bleibt hoch, der Seeweg wurde im Laufe des 14. Jhd. immer attraktiver! „Globalisierung“: Vorgeschichte Seefahrer aus Genua sind unter den ersten die versuchen, um Afrika herum nach Indien zu segeln (Gebr. Vivaldi kamen evtl. schon 1291 bis Somalia), doch langfristig haben die Italiener einen geographischen Nachteil 1415 wird Ceuta durch Portugal erobert, damit sichern sich die Portugiesen die Seeenge von Gibraltar (schlecht für Italien und Spanien) Seit Heinrich dem Seefahrer (Dom Henrique o Navigador) gibt es massive Bemühungen den Seeweg nach Indien zu finden Einrichtung von Seefahrtsschulen in Lissabon, Sagres u.a. (Kartographen, Astronomen und Seefahrer, Bibliotheken) Systematische Erkundung und Sicherung der Afrikanischen Westküste „Globalisierung“: Vorgeschichte Erst 1488 gelingt Bartolomeu Diaz die Umschiffung von Cap Horn, 1492 erreicht Kolumbus Nordamerika, 1498 erreicht Vasco da Gama Indien über die Umschiffung Afrikas [Grandioser Irrtum und die Entdeckung Amerikas: Der Italiener Christoph Kolumbus (Cristoforo Colombo) trägt 1484 dem König von Portugal Johann II seinen Plan vor, den Seeweg nach Indien über eine Fahrt nach Westen zu finden, ausgehend von der Annahme, dass die Welt eine Kugel sei (…) und den Berechnungen zum Erdumfang des Italieners Toscanelli. Weil letzterer aber den Umfang um ¼ zu gering ermittelte und Portugal den Weg um Afrika schon fast gefunden hatte, wird der Plan abgelehnt. Kolumbus wendet sich 1486 an Isabella von Spanien. 1492 sticht er in See und findet die Bahamas, Kuba und Haiti. Er glaubt bis zu seinem Tod, Indien gefunden zu haben.] „Globalisierung“: Vorgeschichte Erst 1488 gelingt Bartolomeu Diaz die Umschiffung des Kap der Guten Hoffnung, 1498 erreicht Vasco da Gama Indien über die Umschiffung Afrikas Im 16. Jhd. dominieren Portugal, Spanien, dann zunehmend England und die (von Spanien seit 1582 unabhängigen) Niederlande den Seehandel mit Asien; Italien, Deutsche Staaten, Polen und Russland verlieren an Bedeutung („Little Divergence“) „Globalisierung“: Vorgeschichte War das Globalisierung? Was wurde gehandelt (welche Märkte waren betroffen)? Beispiel: Importe aus Asien nach Lissabon 1513-1603, Gewichtsanteile an der gesamten Ladung Nach Findlay/ O’Rourke (2000) „Globalisierung“: Vorgeschichte Beispiel Lissabon zeigt: Handel überwiegend in Gütern mit hoher „Value to Weight Ratio“, um die Transportkosten zu decken (Luxusgüter wie Pfeffer, Kaffee, Tee, sehr hochwertige Textilien wie Seide, dagegen kein Getreide, keine Baumwolle) die meisten Europäer und Asiaten waren von diesem Handel nicht betroffen wichtige Bedingungen für Globalisierung (Transportwege, Technik, Handelsnetze) waren seit dem 16. Jhd. gegeben Aber Globalisierung wird erst möglich durch steigende Einkommen und sinkende Transportkosten (Eisenbahn, Dampfschiffen) ab ca 1850 Integration der Gütermärkte Messung von Marktintegration: 1. homogene Güter (Getreide etc): Preiskonvergenz zwischen Märkten misst Handelskosten (“Law of One Price”) 2. Allgemeiner Handel: Veränderung von Exporten und Importen, die nicht durch Veränderung von Angebot und Nachfrage oder Entfernung erklärt werden (Gravitationsmodell) Integration der Gütermärkte 10 Supply curve in Price at which good sells = 7.25 the producing Price at which good sells = 6 (exporting) country Price Price Price Marginal cost of producing gap = t gap = t′ amount traded = 4 Demand curve in Marginal cost of producing the consuming amount traded = 2.75 (importing) country 0 0 4,000 6,000 15,000 Quantity US-UK Weizenhandel (1800-2000) Weizenpreise in Liverpool und Chicago Liverpool Chicago Integration der Gütermärkte Handel nimmt schneller zu als BIP, Handelskosten sinken Integration der Gütermärkte Jacks, Meissner and Novy (2011) Index (auf Grundlage eines Graviationsmodells) zeigt Perioden von steigender und abnehmender Integration der Weltwirtschaft: Globalisierung I: vor 1870 bis 1914 Deglobalisierung: steigende Handelskosten während der Depression Globalisierung II: Ende des Zweiten Weltkrieges bis heute Integration der Kapitalmärkte Länder (bzw. Personen, Unternehmen und Regierungen unterschiedlicher Staaten) leihen sich untereinander Kapital, um Investition (oder Konsum) zu tätigen oder zu finanzieren. Wie kann man das messen?  Zahlungsbilanz Grundlagen der Zahlungsbilanz Zahlungsbilanz fasst alle wirtschaftlichen Transaktionen mit dem Ausland zusammen Rahmen seit 1945 „Balance of Payments Manual“ (IMF): ZB als System doppelter Buchungen von realen und finanziellen Transaktionen Vereinfachte Darstellung: Leistungsbilanz (Current Account) = Handelsbilanz + Dienstleistungsbilanz + Übertragungsbilanz + Reparationen Kapitalbilanz i.w.S. (Capital Account) = Kapitalbilanz i.e.S. + Devisenbilanz + Restposten Zahlungsbilanz = Leistungsbilanz + Kapitalbilanz ≡ 0 Grundlagen der Zahlungsbilanz Export von Gütern und Dienstleistungen: positiv („+“) Export von Kapital und Zuwachs von Devisen: negativ („-“) Teilbilanz-Überschuss: „aktiv“, Teilbilanz-Defizit: „passiv“ Reale und finanzielle Transaktionen hängen oft zusammen: Beispiel: Überschuss in der Leistungsbilanz („+“) entspricht Zunahme an Forderungen gg. Ausland, über Kredite oder den Ankauf von Wertpapieren (Kapitalexport, „-“) oder Devisenzufluss („-“) Gilt nicht immer: Zahlungen oder Lieferungen ohne Gegenleistung (Schenkungen, Entwicklungshilfe etc.), Gegenbuchung in der Übertragungsbilanz; Reparationen sind gesondert aufgeführt Grundlagen der Zahlungsbilanz Zahlungsbilanz als Indikator für Wettbewerbsfähigkeit ? Verflechtung mit dem Ausland (Relationen von Teilbilanzsalden zum BIP) Leistungsbilanz als Indikator für Kapitalmarktverflechtung mit dem Ausland LB-Überschuss: Land verleiht anderen Kapital LB-Defizit: Land leiht sich von anderen Kapital Entwicklungen im Kapitalverkehr Historisch führte eine Erhöhung der Handelstätigkeit zu größeren Leistungsbilanzungleichgewichten (Länder die mehr handeln tendieren dazu, auch mehr zu leihen und verleihen). Internationale Wertpapieranlagen stiegen während des 20. Jahrhunderts. Internationale Wertpapieranlagen (1900-2014) 2 1.5 End of Bretton Great Depression: 1929 Woods and Assets / sample GDP Liberalization of global capital markets 1 The 0.5 global financial crisis 0 1900 1910 1920 1930 1940 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 Entwicklungen im Kapitalverkehr Goldstandard ermöglichte freien Kapitalverkehr, langes Ende 1914- 1931: mit der Weltwirtschaftskrise wurden Kapitalverkehrskontrollen eingeführt (zB in Deutschland Juli 1931) Im System von Bretton Woods blieb der Kapitalverkehr eingeschränkt Mit Ende von Bretton Woods kam Deregulierung der Kapitalmärkte, die zur Finanzkrise beitrug; Zunahme im int. Kapitalverkehr Wo wurde investiert? Haben vor allem reiche Länder Kapital an ärmere Länder verliehen? Zum Teil Warum so wenig? Ausländische Direktinvestitionen von US Unternehmen (2001-2012) Arbeitsmigration Weniger Vorteile aus Integration des Arbeitsmarktes als Güter- /Finanzmarktintegration aufgrund von Einwanderungsbarrieren Die Löhne zwischen den Ländern sind noch immer unterschiedlich aufgrund von Migrationskosten Löhne von Industriearbeitern relativ zu den USA (1975-1979 und 2005-2009) Norway 180 Denmark 160 Manufacturing wages relative to US (US=100) Netherlands Finland 140 Germany Sweden 120 France Italy UK US 100 Japan 80 60 Korea 40 Singapore Portugal Taiwan 20 Mexico Sri Lanka 0 1975-79 2005-09 C. Spezialisierung und Handel Spezialisierung Spezialisierung = Land/ Region/ Unternehmen produziert nur kleinere Auswahl an Waren als es konsumiert und tauscht Überschüsse (Handel) Gründe für Spezialisierung: Komparativer Vorteil durch die Produktion bestimmter Güter Wirtschaftliche Agglomeration – Reduktion von Kosten durch die Ansiedlung in Nähe anderer Unternehmen mit ähnlicher Industrie oder Skaleneffekte – Kostenvorteile durch Produktion höherer Stückzahlen Komparative Vorteile Absoluter Vorteil = grösster Produktivitätsvorteil Komparativer Vorteil = geringster Produktivitätsnachteil (vergleichsweise weniger schlecht) Handel kann zum beidseitigen Vorteil sein, wenn beide Parteien sich auf Produktion des Gutes spezialisieren, in dem sie einen komparativen Vorteil haben. Handel ist idR kein Nullsummenspiel! Beispiel: zwei Familien (je 10) bewohnen je eine Insel: Carlos Familie bewohnt Apple Island und Gretas Familie bewohnt Wheat Island Carlos’s (Apple Island’s) feasible production frontiers 10,000 Bushels of wheat B 4,000 C 2,000 Carlos’s feasible Carlos’s production frontier feasible set A 5,000 10,000 20,000 Number of apples Greta’s (Wheat Island’s) feasible production frontiers 10,000 Bushels of wheat Greta’s Greta’s feasible feasible set production frontier 12,500 20,000 Number of apples Carlos’s (Apple Island’s) utility-maximising choices of consumption 10,000 Bushels of wheat Carlos’s indifference 4,000 curves D 2,500 Carlos’s feasible consumption frontier 3,750 10,000 20,000 Number of apples Greta’s (Wheat Island’s) utility-maximising choices of consumption 10,000 Greta’s indifference Bushels of wheat E curves 6,000 Greta’s feasible consumption frontier 5,000 12,500 20,000 Number of apples Komparativer Vorteil einer Insel bemisst sich am relativen Preis der Güter (ohne Handel) Apple Island (Carlos) Wheat Island (Greta) Bushels of wheat produced by each family 400 1,000 member in one year Number of apples produced by each family 1,000 1,250 member in one year Relative price of wheat 1,000/400 = 2.5 1,250/1,000 = 1.25 Relative price of apples 400/1000 = 0.4 1,000/1,250 = 0.8 Effekt von Spezialisierung und Handel auf Carlos and Gretas “feasible consumption frontiers” 10,000 A 8,000 Carlos’s Bushels of wheat feasible consumption 5,000 frontier 4,000 Greta’s Carlos’s feasible feasible B Greta’s consumption 2,000 feasible production frontier frontier production frontier 4,000 6,000 10,000 12,500 20,000 Number of apples Effekt von Spezialisierung und Handel auf Carlos and Gretas “feasible consumption frontiers” wenn Greta den Preis 10,000 bestimmen kann A 8,222 Carlos’s Bushels of wheat feasible consumption 4,444 frontier 4,000 Greta’s feasible Carlos’s Greta’s consumption feasible B 1,778 feasible frontier production frontier production frontier 4,000 6,000 10,000 12,500 22,500 Number of apples Gewinner und Verlierer: kurzfristig Wer innerhalb eines Landes Gewinner und Verlierer des Handels ist, hängt von der relativen Knappheit der Faktoren ab (z.B. Kapital und Arbeit oder qualifizierte/ unqualifizierte Arbeit) Beispiel: Land A (Deutschland), Land B (China); beide produzieren Maschinen und elektronische Geräte (MP3 Player, PCs, Smartphones) Annahme: Produktion von Maschinen erfordert viel Kapital aber relativ weniger Arbeitskraft als Produktion elektronischer Geräte; letztere ist “arbeitsintensiv” In Land A ist im Vergleich zu Land B Kapital relativ reichlicher vorhanden als Arbeitskraft:  Kapital ist in A relativ billiger, komparativer Vorteil bei kapitalintensiven Produkten! Gewinner und Verlierer: kurzfristig Wer Gewinner und Verlierer des Handels ist, hängt von der relativen Knappheit der Faktoren ab (z.B. Kapital und Arbeit oder qualifizierte/ unqualifizierte Arbeit) Handel führt dazu, dass sich die Länder nach ihrem komparativen Vorteil spezialisieren: Land A auf Maschinen und Land B auf elektronische Geräte spezialisiert in A steigt Produktion von Maschinen und sinkt Produktion elektronischer Geräte; in Land A steigt daher die Nachfrage nach Kapital relativ zur Nachfrage nach Arbeit Zugleich steigt aber die Gesamtproduktion: sind relative auch absolute Verluste? Gewinner und Verlierer: kurzfristig Im Beispiel gewinnt in Land A der Faktor Kapital relativ zu Arbeit, in Land B der Faktor Arbeit relativ zu Kapital Durch Handel können sich also auch die Preise für Produktionsfaktoren angleichen! Ob relative Verluste auch absolute Verluste sind, hängt von weiteren Bedingungen ab, im Bsp. gewinnt in Land B auch Kapital absolut Gewinner und Verlierer: langfristig Spezialisierung entsprechend des komparativen Vorteils hat ähnliche Arbeitsmarkteffekte wie technologischer Fortschritt. Erhöhte Produktivität verschiebt die Gewinnkurve nach oben. Kurzfristig werden Arbeitsplätze zerstört (A-B). Mittelfristig entstehen durch Exportwachstum neue Arbeitsplätze (B-C). Der langfristige Anpassungsprozess hängt davon ab, ob und wie stark sich die Lohnkurve verschiebt (C-D und D-F oder D-E) Auswirkungen von Migration Einwanderung erweitert die inländischen Erwerbsbevölkerung Kurzfristig verschiebt sich die Lohnkurve nach unten aufgrund von höherer Arbeitslosigkeit Mittelfristig reagieren Unternehmen auf niedrigere Löhne mit mehr Einstellungen von Arbeitnehmern, was den Lohn auf das Gleichgewichtsniveau erhöht. D. Die Rolle von Politik und Institutionen Rodriks Trilemma Ein Argument gegen Globalisierung ist, dass Staaten etwas von ihrer Souveränität oder Demokratie aufgeben müssen. Rodriks Trilemma besagt, dass es unmöglich für Länder ist, gleichzeitig folgendes zu erreichen: Hyper- Hyper-Globalisierung – keinerlei politische Globalisierung oder kulturelle Barrieren für Güter- und Investitionsströme Nationale Souveränität – die Politik zu verfolgen, die selbstgewählt ist Nationale Demokratie Souveränität Demokratie – Partizipation und Mehrheitsentscheid (Freiheit und Gleichheit?) Deglobalisierung Rodriks Trilemma: Zusammenfassung Wir haben … dann kommt es zu… Konsequenz Nationale Souveränität „gezähmte Globalisierung“, (beschränkte d.h. nationale Begrenzung der Arbeits- globale Politik) Wirtschaftspolitik (z.B. Hyper- und Kapitalmobilität Stabilisierung und globalisierung Demokratie auf Umverteilung) muss Was sind die Kosten? nationaler effektiv dazu führen… Ebene Hyperglobalisierung Konflikt zwischen Hyperglobalisierung globalem Markt und bedroht Demokratie: Demokratie nationalen Regeln „Golden Nationale Souveränität (beschränkte globale makroökonomische Straightjacket“ Politik) Instabilität (Thomas Friedman) Globale Regeln (z.B. Hyperglobalisierung Arbeitsstandards, globaler Konflikt zwischen globalem Umweltschutz, Markt und nationalen Steuerabkommen, Nationale Regeln koordinierte Makropolitik) Souveränität makroökonomische Demokratie Instabilität Aber eingeschränkte Souveränität: Partizipation? Kosten der Deglobalisierung? Globalisierung kann Wachstum fördern: Der Wettbewerb mit ausländischen Unternehmen beschleunigt den technologischen Fortschritt Skaleneffekte aufgrund der ausländischen Nachfrage ermöglichen eine kostengünstigere Produktion wovon Arbeitnehmer, Eigentümer und Käufer profitieren können Globalisierung kann auch Wachstum verhindern: Nachteilige Spezialisierung – spezialisieren auf Sektoren mit geringer Innovationskraft kann Wachstum verlangsamen (“lock-in”) Learning by doing in jungen Industrien– temporärer Zollschutz kann helfen, die Produktivität zu steigern, bis ein komparativer Vorteil erreicht ist, Bsp. USA vor 1914, Südkorea nach 1970; Gegenbeispiel Lateinamerika (Importsubstitutionspolitik gilt als gescheitert) Kosten der Deglobalisierung? Wachstumseffekte der Globalisierung hängen von der Grösse einer Volkswirtschaft ab Kleines Land kann starker von Offenheit profitieren (Zugang zu Ressourcen, Produktvielfalt, Skaleneffekte) Grosses Land ist weniger von Offenheit abhängig, hat deshalb mehr Verhandlungsmacht (US unter Trump: Globalisierung nach US-Regeln) Deutschland ist daher kaum mit den USA zu vergleichen E. Beispiel: Deutschlands Zahlungsbilanz, 1883-2016 Entwicklungen seit 1883 Vom Kaiserreich zum Zweiten Weltkrieg: Wachstum und Krise Seit 1945: wachsende Spielräume und neue Abhängigkeiten Details dazu siehe N. Wolf (2022), „Kapitel 21: Zahlungsbilanz“, in Th. Rahlf (2022), Deutschland in Daten, bpb, S. 292-309 (moodle) Zahlungsbilanz und Salden der wichtigsten Teilbilanzen, Durchschnitte 1883 bis 2010 (Mio. Euro) Quelle: Wolf (2022) Vom Kaiserreich zum Zweiten Weltkrieg Vom Kaiserreich zum Zweiten Weltkrieg: Wachstum und Krise 1883-1913: Schätzung (Torp 2005) basierend auf Handelsbilanz (HB), Kapitalbilanz i.e.S. (KB) und Devisenbilanz (DB); Übertragungsbilanz (ÜB) und Restposten sind per Annahme gleich null Trotz passiver HB ergibt sich daraus eine aktive LB: Erträge aus Investitionen im Ausland, wachsende Devisenreserven der Reichsbank Konflikte sichtbar: Russland versuchte eigene Kapitalimporte mit Handelsexporten zu begleichen; dies führt zum „Zollkrieg“ mit dem Deutschen Reich Vom Kaiserreich zum Zweiten Weltkrieg Vom Kaiserreich zum Zweiten Weltkrieg: Wachstum und Krise Fortsetzung nach 1918, zzgl. Reparationen und Übertragungen Reparationen werden nur zu geringem Teil aus LB-Überschuss geleistet, sondern aus Kapitalimporten („+“) aus den USA: „American Reparations to Germany“ (Schuker, 1988) Weltwirtschaftskrise: Kapital- und Devisenflucht, LB wird aktiv Seit 1945: wachsende Spielräume und neue Abhängigkeiten Seit 1952 durchweg aktive HB, seit 1971 negative DB (u.a. Reisen); LB bis 1990 aktiv Folge: wachsende Devisenbestände, Kapitalexporte Stark negative Übertragungsbilanz: „soft-power“ (Entwicklungshilfe, Beiträge zu Internationalen Organisationen, „Wiedergutmachungen“) LB und HB leiden kaum unter Zusammenbruch von Bretton-Woods und Aufwertung der DM Ursachen: Produktivitätswachstum und europäische Verflechtung (vgl. Temin 2002) Seit 1945: wachsende Spielräume und neue Abhängigkeiten Wiedervereinigung unterbricht positiven Trend seit 1982 Bis 1985 rapide wachsende LB-Überschüsse mit den USA Ab 1986 Entwicklung getragen von LB-Überschüssen mit europäischen Partner Wiedervereinigung lenkt zeitweilig Aussenhandel „nach innen“; begleitet von zunehmend negativer Dienstleistungsbilanz (Reisen) Schon seit 1994 wurde HB wieder stärker aktiv, Euro unterstützt diese Entwicklung; LB-Überschuss und KB-Defizit seit etwa 2005 historisch ungewöhnlich hoch: woher? Die nächste Abbildung zeigt die geographische Aufteilung der LB: Europa! F. Ausblick: zur Zukunft der Globalisierung Ausblick: zur Zukunft der Globalisierung Ausblick: zur Zukunft der Globalisierung Welche Entwicklung bis 2030 halten Sie für wahrscheinlich? Deglobalisierung? Supranationaler Föderalismus? …?