Pathologisches Glückspielen PDF
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Diese Präsentation von der Universität Bern deckt das Thema Pathologisches Glücksspiel ab. Sie beleuchtet das Konzept, Häufigkeit, Symptome und mögliche Behandlungsstrategien dieser Sucht. Das Dokument ist eine Übersicht und beinhaltet relevante Informationen.
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Pathologisches Glückspielen (Kapitel 43) Sucht DSM‐5: Störungen im Zusammenhang mit psychotropen Substanzen & abhängigen Verhaltensweisen Substanzbezogene Süchte Sedativa Alkohol Kokain Tabak Cannabinoide … Glücksspiel Opioide Internet Verhaltenssüchte Leitfragen > > > > > Welche Störungen lassen si...
Pathologisches Glückspielen (Kapitel 43) Sucht DSM‐5: Störungen im Zusammenhang mit psychotropen Substanzen & abhängigen Verhaltensweisen Substanzbezogene Süchte Sedativa Alkohol Kokain Tabak Cannabinoide … Glücksspiel Opioide Internet Verhaltenssüchte Leitfragen > > > > > Welche Störungen lassen sich (mittels DSM‐5) klassifizieren? Wie sind diese Störungen geordnet, charakterisiert und definiert? Welche (differential)diagnostischen Überlegungen sind relevant? Wie verbreitet sind diese Störungen? Wie verlaufen sie typischerweise? Welche Erklärungsmodelle für diese Störungen gibt es? Glückspiel > 2 oder mehr Parteien beteiligt > Ergebnis allein oder überwiegend abhängig vom Zufall (vs. Kompetenz) > Meist inklusive Umverteilung von Vermögenswerten Abb: Dreamstime.com Abbildung: Eyestetix Studio/Unsplash Störung durch Glücksspielen (DSM‐5) A. Dauerhaftes und häufig auftretendes problematisches Glücksspielen führt zu klinisch bedeutsamen Beeinträchtigungen/Leiden. Dabei: ≥ 4 der folgenden Kriterien innerhalb von 12 Monaten: 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. B. Notwendigkeit des Glücksspielens mit immer höheren Einsätzen, um eine gewünschte Erregung zu erreichen. Unruhe und Reizbarkeit bei dem Versuch, das Glücksspielen einzuschränken oder aufzugeben. Wiederholte erfolglose Versuche, das Glücksspielen zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzugeben. Starke gedankliche Eingenommenheit durch Glücksspielen. Häufiges Glücksspielen in belastenden Gefühlszuständen. Rückkehr zum Glücksspielen am nächsten Tag, um Verluste auszugleichen (dem Verlust «hinterherjagen» (»Chasing»)). Belügen anderer, um das Ausmass der Verstrickung in das Glücksspielen zu vertuschen. Gefährdung oder Verlust einer wichtigen Beziehung, eines Arbeitsplatzes, von Ausbildungs‐ oder Aufstiegschancen aufgrund des Glücksspielens. Verlassen auf finanzielle Unterstützung durch andere, um die durch das Glücksspielen verursachte finanzielle Notlage zu überwinden. Das Glücksspielen kann nicht besser durch eine manische Episode erklärt werden. Schweregrad: Leicht (4‐5 Kriterien), mittel (6‐7 Kriterien), schwer (8‐9 Kriterien) (APA, 2015) Verhaltenssüchte: „Internetsucht“ Online… …Gaming? …Shopping? …Pornographie? DSM‐5 Forschungskritierien: „Störung durch Spielen von Internetspielen“ ICD‐11: Gaming Disorder als Störung durch süchtiges Verhalten aufgenommen Betroffene mit Leidensdruck (inklusive komorbider Störungen) und Behandlungsbedarf vorhanden Verhaltenssüchte: Die Box der Pandorra? „Internetsucht“ Online… …Gaming? …Shopping? …Pornographie? „Study addiction“ Angeln Sex Sport Selfitis Einkaufen Argentine tango: Another behavioral addiction? Targhetta et al, 2013, J. Beh. Add. „…dependence rates up to 45%“ Tanzen Abb. Ashin K Suresh/Unsplash Handy‐ Nutzung Selfitis: Balakrishnan & Griffith, 2018; Tanzen: Targhetta et al., 2013; Maraz et al, 2015; «Study»: Atroszko et al, 2015; Verhaltenssüchte: «Vorsichtsmassnahmen» bei Erweiterung der diagnostischen Kategorien > NICHT: Konzepte unkritisch von substanzbezogenen Störungen übernehmen > Valide Kriterien scheinen eher ‐ funktionelle Einschränkungen & ‐ „Weitermachen“ trotz Schäden und Konflikten zu sein. ‐ Kontrollverlust …und weniger ‐ Toleranzentwicklung & Entzug > Definition geeigneter Kriterien (und passender Skalen) wird debattiert. Bei Interesse weiterführende Literatur auf Ilias: Kardefeldt‐Winther et al., 2017; Billieux et al., 2015 Leitfragen > > > > > Welche Störungen lassen sich (mittels DSM‐5) klassifizieren? Wie sind diese Störungen geordnet, charakterisiert und definiert? Welche (differential)diagnostischen Überlegungen sind relevant? Wie verbreitet sind diese Störungen? Wie verlaufen sie typischerweise? Welche Erklärungsmodelle für diese Störungen gibt es? Diagnostische Instrumente > Lie‐Bet‐Screen: 1) Haben sie jemals gegenüber nahestehenden Personen über das Ausmass ihres Spielens lügen müssen? 2) Haben Sie jemals beim Glückspiel das Bedürfnis verspürt, immer mehr Geld einzusetzen? > Fragebogen nach Stinchfield > Kurzfragebogen zum Glückspielverhalten (KFG) u.a. angelehnt an die Screening‐Fragen der Anonymen Spieler:innen: http://www.anonyme‐spieler.org/index.php/ueber‐uns/20‐fragen Siehe Hoyer & Knappe, 2020, Kapitel 43.2.2 Leitfragen > > > > > Welche Störungen lassen sich (mittels DSM‐5) klassifizieren? Wie sind diese Störungen geordnet, charakterisiert und definiert? Welche (differential)diagnostischen Überlegungen sind relevant? Wie verbreitet sind diese Störungen? Wie verlaufen sie typischerweise? Welche Erklärungsmodelle für diese Störungen gibt es? Epidemiologie & Spontanverlauf > 12‐Monatsprävalenzen: für Glückspiel (≠ pathologisch): 37% für pathologisches Spielen: circa 0.2‐2%. > Komorbiditätsraten schwanken stark, deuten aber auf häufige Komorbidität mit affektiven, Angst‐ und Substanzkonsumstörungen hin. > Episodischer Charakter: Fluktuierender Verlauf der Störung > Nur 7‐12% der pathologischen Spieler:innen nehmen Therapie in Anspruch Siehe Hoyer & Knappe, 2020, Kapitel 43.3; Banz & Lang, 2017 Leitfragen > > > > > Welche Störungen lassen sich (mittels DSM‐5) klassifizieren? Wie sind diese Störungen geordnet, charakterisiert und definiert? Welche (differential)diagnostischen Überlegungen sind relevant? Wie verbreitet sind diese Störungen? Wie verlaufen sie typischerweise? Welche Erklärungsmodelle für diese Störungen gibt es? Abb. dylan nolte/Unsplash Abb. Krzysztof Hepner/Unsplash Abb. Waldemar/Unsplash Wo finden sich mehr pathologische Spielmuster? Automaten Lotto Aetiologie: Person‐Glückspiel‐Umfeld Person Pathologisches Spielen Glück‐ spiel Umfeld Siehe Hoyer & Knappe, 2020, Kapitel 43.3 Aetiologie: Person‐Glückspiel‐Umfeld Glücks‐ spiel Spielmerkmale: Ereignisfrequenz, Fastgewinne, Involvierung des Spielers, Licht & Soundeffekte Zugangsmerkmale Wo? Wann offen? Altersbeschränkung →Vermutung: bestimmte Glückspielarten haben mehr Suchtpotential Alternativerklärung: vulnerable Personen bevorzugen bestimmte Glücksspielarten Siehe Hoyer & Knappe, 2020, Kapitel 43.3 Aetiologie: Person‐Glückspiel‐Umfeld Person Soziodemographische Merkmale: Alter (junge Erwachsene), Geschlecht (m), niedriger sozioökonomischer Status. Persönlichkeitsfaktoren: Impulsivität (evtl. Sensation Seeking) (neuro)biologische Merkmale: Sensi vität: Belohnung↑ Bestrafung↓ Verringerte Kontrollfunktionen Dysfunktionale Emotionsregulation Siehe Hoyer & Knappe, 2020, Kapitel 43.3 Aetiologie: Person‐Glücksspiel‐Umfeld Umfel d Familie & Freunde Modellfunktion Verhaltensalternativen (z.B. zur Herbeiführung von Entspannung & Unterhaltung) Gesellschaft: Gesetze: vgl. auch Zugangsmerkmale soziale Regeln: beeinflussen soziales Feedback Siehe Hoyer & Knappe, 2020, Kapitel 43.3 Vulnerabilitäts‐Risiko‐Modell Siehe Hoyer & Knappe, 2020, Abb. 43.3.3 Aetiologie: lerntheoretische Ansätze operante Konditionierung: Verstärkung durch positive Konsequenzen (C+:Gewinn, Anerkennung) oder den Wegfall negativer Zustände (C‐: Ablenkung von negativer Stimmung) klassische Konditionierung Die als positiv erleben Veränderungen beim Glücksspielen (=unkonditionierter Stimuli) werden an ursprünglich neutrale Reize gekoppelt, die so zu konditionierten Stimuli mit Aufforderungscharakter werden. →Automatisierte Verhaltensabläufe und funktionale Einbindung des Spielverhaltens →therapeutische Implikationen! Wittchen & Hoyer, 2011, Abb 37.1 Zusatzinformation: Ein lerntheoretisches Modell Aetiologie: kognitionstheoretische Ansätze Kognitive Verzerrungen bei pathologischen Glücksspieler:innen bezogen auf: Kontrollierbarkeit («ich habe eine unschlagbare Strategie») Vorhersagbarkeit («bald ist Erntezeit, ich spür’ das») → Aufdecken und Umstrukturieren dieser Verzerrungen kann therapierelevant sein Siehe Hoyer & Knappe, 2020, Kapitel 43.3