Bioethik und Medizinethik: Definitionen

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Questions and Answers

Welche Aussage beschreibt am besten das partnerschaftlich-deliberative Modell der Arzt-Patient-Beziehung?

  • Arzt und Patient arbeiten partnerschaftlich zusammen, wobei der Arzt die Entscheidungsfindung des Patienten unterstützt und seine eigene Position argumentativ darlegt. (correct)
  • Der Arzt handelt nach objektiv guten Prinzipien, wobei der Fokus auf Gesundheit und Überleben des Patienten liegt.
  • Der Patient hat maximale Autonomie, und der Arzt fungiert als reiner Informationsvermittler.
  • Der Arzt übernimmt die alleinige Verantwortung für die Entscheidungen des Patienten.

Was ist das Hauptziel des Prinzips 'Nicht-Schadens' in der medizinischen Ethik?

  • Dem Patienten keinen Schaden zuzufügen. (correct)
  • Eine faire Verteilung der Ressourcen im Gesundheitswesen zu gewährleisten.
  • Dem Patienten aktiv Gutes zu tun und sein Wohlbefinden zu fördern.
  • Die Autonomie des Patienten zu maximieren und seine Entscheidungsfreiheit zu gewährleisten.

Welche der folgenden Aussagen beschreibt am besten die 'zuteilende Gerechtigkeit' im Kontext der Gesundheitsversorgung?

  • Verpflichtungen der Individuen gegenüber der Gesellschaft durch gesetzliche Vorgaben.
  • Gleiche Behandlung von Patienten mit demselben Krankheitsbild.
  • Faire Beziehungen zwischen Individuen basierend auf Verträgen und gegenseitigen Verpflichtungen.
  • Gerechte Verteilung von Ressourcen innerhalb einer Gesellschaft, wobei die Bedürfnisse und Lebenslagen der Einzelnen berücksichtigt werden. (correct)

Was ist die negative Verpflichtung im Zusammenhang mit dem Prinzip der Autonomie?

<p>Keine Behinderung der selbstbestimmten Entscheidungen des Patienten, sofern keine Schädigung Dritter vorliegt. (D)</p> Signup and view all the answers

Welche der folgenden Aussagen beschreibt am besten den Zweck der Festlegung des Hirntods als Todeskriterium im Kontext der Organspende?

<p>Um festzustellen, wann die Gesamtfunktion des Gehirns irreversibel erloschen ist, während die Organe durch künstliche Aufrechterhaltung des Kreislaufsystems noch funktionsfähig sind. (A)</p> Signup and view all the answers

Welche der folgenden Aufgaben gehört NICHT zu den Aufgaben der Deutschen Stiftung Organspende (DSO)?

<p>Vermittlung der Organe zwischen Spendern und Empfängern. (C)</p> Signup and view all the answers

Welches Modell der Gerechtigkeit priorisiert die Verbesserung der Gesundheit der am schlechtesten Gestellten?

<p>Fairnessmodell (A)</p> Signup and view all the answers

Was bedeutet der Begriff 'Informed Consent' im Kontext des Autonomieprinzips?

<p>Die Einwilligung des Patienten zu einem medizinischen Eingriff, nachdem er umfassend über die Risiken und Nutzen aufgeklärt wurde. (D)</p> Signup and view all the answers

Eurotransplant ist verantwortlich für die Vermittlung von Organen in verschiedenen europäischen Ländern. Welches der folgenden Länder gehört NICHT zu den von Eurotransplant abgedeckten Ländern?

<p>Polen (D)</p> Signup and view all the answers

Welches Kriterium für die Organvergabe entspricht dem Effizienzmodell der Gerechtigkeit?

<p>Die Erfolgsaussicht der Transplantation. (C)</p> Signup and view all the answers

Flashcards

Bioethik

Begründete Urteile & Richtlinien für Biomedizin & Biotechnologie.

Prinzip der Autonomie

Patient hat freie Entscheidungsmacht, befreit von äußeren Einflüssen.

Prinzip des Nicht-Schadens

Der Arzt darf dem Patienten keinen Schaden zufügen.

Prinzip des Wohltuns/Fürsorge

Verpflichtung, Gutes zu tun und das Wohl des Patienten zu fördern.

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Prinzip der Gerechtigkeit

Forderung nach fairer und angemessener Verteilung von Ressourcen.

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Hirntod

Zustand der irreversibel erloschenen Gesamtfunktion von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm.

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Paternalistisches Modell

Arzt handelt nach objektiv guten Prinzipien, Fokus auf Gesundheit & Überleben des Patienten.

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Vertragsmodell

Patient hat maximale Autonomie, Arzt als reiner Informationsvermittler & Dienstleister.

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Partnerschaftlich-deliberatives Modell

Arzt und Patient agieren partnerschaftlich, Arzt unterstützt reflektierte Entscheidungsfindung.

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Study Notes

Definition von Bio-/Medizinethik

  • Der Begriff „Bioethik“ ist nicht eindeutig definiert.
  • „Bio-“ bezieht sich meist auf Biomedizin und Biotechnologie, was eine eingeschränkte Definition darstellt.
  • „Ethik“ umfasst moralische Fragestellungen und Handlungsrichtlinien.
  • Bioethik beinhaltet begründete Urteile und Richtlinien für Biomedizin und Biotechnologie. Bioethik kann auch eine umfassendere Bedeutung haben: die Verantwortung gegenüber der Biosphäre.
  • Bioethik unterscheidet sich von Medizinethik, da sie normative Fragen medizinischer Handlungen und Forschung (z. B. Gentechnologie) behandelt.
  • Bioethik ist nicht dasselbe wie medizinische Standesethik.

Gründe für die Entstehung der Bioethik

  • NS-Verbrechen und die Nürnberger Ärzteprozesse zeigten die Notwendigkeit medizinischer Verhaltensregeln.
  • In den 1960er Jahren erfolgte eine Neuausrichtung des Arzt-Patienten-Verhältnisses, wobei die individuelle Selbstbestimmung in den Fokus rückte.
  • Ab den 1970er Jahren wurden ethische Fragen wie Schwangerschaftsabbruch und Sterbehilfe neu verhandelt.
  • Fortschritte in Medizin und Biologie (z. B. künstliche Befruchtung, Organtransplantation, Genomentschlüsselung) erforderten neue ethische Maßstäbe.

Paternalistisches Modell der Arzt-Patient-Beziehung

  • Der Arzt handelt nach objektiv guten Prinzipien und konzentriert sich auf die Gesundheit und das Überleben des Patienten.
  • Objektiver Krankheitsbegriff ist unabhängig vom subjektiven Wohlbefinden des Patienten.
  • Der Arzt entscheidet als "Vormund" über medizinische Maßnahmen im definierten Patienteninteresse.
  • Ziel ist das Wohlergehen des Menschen
  • Probleme sind das asymmetrische Modell und die Einschränkung von Einwilligung und Selbstbestimmung.
  • Anwendungsbereich ist Psychiatrie.

Vertragsmodell der Arzt-Patient-Beziehung

  • Der Patient hat maximale Autonomie, der Arzt ist lediglich Informationsvermittler und Dienstleister.
  • Entscheidungsgewalt und Verantwortung liegen beim Patienten, basierend auf seinem persönlichen Lebensentwurf und seinen Wertvorstellungen.
  • Ziel ist die Maximierung der Patientenautonomie durch den Arzt als neutralen Dienstleister.
  • Probleme: Arzt könnte verantwortungslos handeln, ohne Konsequenzen, und es besteht die Gefahr unreflektierter Entscheidungen durch subjektive Wunschvorstellungen oder unrealistische Erwartungen an Gesundheit und Lebensqualität.

Partnerschaftlich-deliberatives Modell der Arzt-Patient-Beziehung

  • Arzt und Patient agieren partnerschaftlich, wobei der Arzt eine reflektierte Entscheidungsfindung unterstützt.
  • Wertvorstellungen und gesundheitliche Ziele werden gemeinsam überprüft, und der Arzt legt seine eigene Position argumentativ dar.
  • Ziel ist eine verantwortete, vernünftige Autonomie des Patienten
  • Es erfolgt eine Versöhnung von Autonomie und Fürsorge.
  • Der Arzt trägt Mitverantwortung und fördert das Patientenwohl und die Zufriedenheit beider Seiten.
  • Es erfolgte eine Reform des hippokratischen Eids, Einführung von Informed Consent (aufgeklärte Zustimmung) und Shared Decision Making (partizipative Entscheidungsfindung).
  • Kompromiss zwischen paternalistischem und Vertragsmodell: Schutzfunktion und Autonomie

Prinzip der Autonomie in der Medizin

  • Der Patient hat freie Entscheidungsmacht, befreit von äußeren Einflüssen.
  • Historie: Im frühen 20. Jahrhundert gab es eine paternalistischen Medizin, in der der Arzt als Alleinentscheider fungierte; ab den 1960er Jahren entwickelte sich kollektive Kritik und die Patientenautonomie entstand. Autonomie dient als Schutz vor Fremdbestimmung und fördert die Mündigkeit.
  • Postmoderne Ethik: Es gibt keinen Konsens über „gutes Leben/Sterben“. Individuelle Entscheidungsfreiheit dient als moralische Basis, wobei der Fokus auf der Freiheit von Bevormundung liegt.
  • Zwei Komponenten der Autonomie: Negative Verpflichtung (keine Behinderung selbstbestimmter Entscheidungen, sofern keine Schädigung Dritter) und Positive Verpflichtung (Befähigung zur Selbstbestimmung)
  • Regelkanon: Wahrheit sagen, Privatheit achten, Vertraulichkeit wahren, Einwilligung einholen (Informed Consent), Entscheidungsunterstützung leisten
  • Informed Consent ist Voraussetzung für medizinische Eingriffe und die Umsetzung des Autonomieprinzips.
  • Die Einwilligung nach Aufklärung ist Voraussetzung für jeden Eingriff.
  • Das Autonomieprinzip steht nicht über allen anderen ethischen Prinzipien.

Prinzip des Nicht-Schadens in der Medizin

  • Definition: Der Arzt darf dem Patienten keinen Schaden zufügen.
  • Vorteil: Es stellt eine unmittelbare und konkrete Unterlassungspflicht dar.
  • Es bedeutet, anderen keinen Schaden zuzufügen und Menschen nicht als Selbstzweck zu betrachten und ihr Recht nicht zu verletzen. Es beruht auf der Anerkennung der Grundrechte des anderen (Resultat einer Anerkennungspflicht).
  • Es gibt keine objektiven und für alle und jederzeit gültigen Schaden.
  • Einteilung von Schaden anhand Rechten: wesentliche Rechte (Selbstbestimmungsrecht, Recht auf psychische und physische Integrität).
  • Einteilung von Schaden: Objektiver Schaden (Beeinträchtigung der körperlichen Funktionen, etc.) und Subjektiver Schaden (Schmerz, Nichterfüllung/Präferenz, etc.)
  • Der Schadenssbegriff muss erläutert werden, um das Prinzip überzeugend anzuwenden

Prinzip des Wohltuns/Fürsorge in der Medizin

  • Verpflichtung, Gutes zu tun und das Wohl des Patienten zu fördern.
  • Ziel ist die Verbesserung der Gesundheit und des Lebensstandards des Patienten.
  • Handlungsansatz: Aktives Eingreifen, um Übel und Schaden zu verhindern oder zu beseitigen.
  • Verantwortung des Arztes: Der Arzt muss Verantwortung für das Wohlergehen des Patienten übernehmen und angemessene Hilfe leisten.
  • Abgrenzung zwischen Prinzipien: Nicht-Schaden (Niemandem Übel oder Schaden zufügen); Wohltun (Übel/Schaden verhindern, etc.).

Prinzip der Gerechtigkeit in der Medizin

  • Forderung nach fairer und angemessener Verteilung von Ressourcen und Vorteilen in der Gesundheitsversorgung, um Chancengleichheit und ethische Ungerechtigkeiten zu vermeiden.
  • Formen der Gerechtigkeit: Ausgleichende Gerechtigkeit (Fokus auf faire Beziehungen zwischen Individuen, basierend auf Verträgen) und Zuteilende Gerechtigkeit (Gerechte Verteilung von Ressourcen innerhalb einer Gesellschaft, wobei die Bedürfnisse und Lebenslagen der Einzelnen berücksichtigt werden) und legale Gserechtigkeit (Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft)
  • Modelle der Gerechtigkeit: Gleichheitsmodell, Freiheitsmodell, Effizienzmodell und Fairnessmodell

Ablauf der Organspende

  • Es besteht Verdacht auf eingetretenen Hirntod.
  • Es erfolgt die Feststellung des Hirntodes.
  • Gespräch mit den Angehörigen.
  • Es werden medizinische Tests durchgeführt, veranlasst durch die DSO.
  • Vermittlung der Organe durch Eurotransplant.
  • Vorbereitung der Transplantation (Transplantationszentren).
  • Organexplantation.
  • Würdevolle Versorgung des verstorbenen Menschen.
  • Transplantation.
  • Information über Ausgang der Transplantation (wenn gewünscht).
  • Eurotransplant übernimmt die Vermittlung der Organe in Deutschland, Belgien, Kroatien, Luxemburg, Niederlanden,Österreich und Slowenien
  • Eurotransplant übernimmt die Verwaltung der gemeinsamen Warteliste
  • Nach Meldung eines Spenders durch die DSO, übernimmt Eurotransplant die Ermittlung der Empfänger per Computer nach festgelegten Kriterien der Bundesärztekammer
  • Mitteilung an das Transplantationszentrum und die DSO.

Aufgaben der DSO (Deutsche Stiftung Organspende) bei der Organspende:

  • Umfassende Beratung des Krankenhauspersonals zu allen Fragen der Organspende.
  • Klärung der medizinischen Voraussetzung für eine Organspende.
  • Unterstützung des Krankenhauspersonals beim Gespräch mit den Angehörigen.
  • Weitergabe der Daten an die Vermittlungsstelle Stiftung Eurotransplant für die Zuteilung der Organe.
  • Regelmäßige Berichterstattung zur Entwicklung der Organspende und Transplantation in DE.

Hirntod als Todeskriterium

  • Definition: Zustand der irreversibel erloschenen Gesamtfunktion des Groß- und Kleinhirns und des Hirnstamms.
  • Voraussetzung: Hirntod ist eingetreten, aber das Herz-Kreislaufsystem wird noch künstlich aufrecht erhalten.
  • Die Organe sind noch durchblutet und funktionsfähig.
  • Richtlinien für die Feststellung: durch zwei Ärzte, die nicht am Prozess der Organspende/Organtransplantation beteiligt sind, stellen unabhängig voneinander die unwiderruflich erloschenen Gehirnfunktion des Patienten fest. Die drei Säulen: Prüfung der Voraussetzungen, Nachweis der klinischen Ausfallsymptome des Gehirns und der Irreversibilität
  • Grundvoraussetzung: primäre oder sekundäre Hirnschädigung liegt vor, alle Faktoren, die zu einer Einschränkung des neurologischen Befundes führen, sind ausgeschlossen
  • Nachweis durch tiefes Koma, Verlust der Hirnstammreflexe, Ausfall der Spontanatmung.
  • Nachweis der Irreversibilität durch festgelegte Beobachtungsräume/apparative Zusatzuntersuchungen.

Kriterien zur Vergabe von Organen

  • Erfolgsaussicht (Überleben des Empfängers, etc.)
  • Dringlichkeit (höher bei todkranken Patienten)
  • Chancengleichheit (Vermeidung einer Benachteiligung von Kindern)

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