Erkrankungen der Verdauungsorgane PDF
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FH Gesundheitsberufe OÖ
Egger Linda
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Diese Zusammenfassung behandelt Erkrankungen der Verdauungsorgane, insbesondere dem Magen, und verschiedene Behandlungsansätze.
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Erkrankungen der Verdauungsorgane Der Magen ============================== - **Belegzellen**: produzieren Salzsäure - **Hauptzellen**: Pepsinogen -- mit Hilfe von Salzsäure zum Pepsin -- eiweißabbauendes Enzym - **G-Zellen**: schütten Gastrin aus -- Hormon zur Frei...
Erkrankungen der Verdauungsorgane Der Magen ============================== - **Belegzellen**: produzieren Salzsäure - **Hauptzellen**: Pepsinogen -- mit Hilfe von Salzsäure zum Pepsin -- eiweißabbauendes Enzym - **G-Zellen**: schütten Gastrin aus -- Hormon zur Freisetzung von Salzsäure - **H-Zellen**: geben Histamin ab - **Schleimzellen**: sondern Schleim ab Magensaft --------- - täglich rund 2 Liter Magensaft - stark sauer aufgrund der Salzsäure (pH-Wert \~2) - Desinfektion des Mageninhaltes - Aktivierung von Pepsinogen in Pepsin - Zersetzt Proteine - Magenschleim schützt die Magenschleimhaut vor der Selbstverdauung - Intrinsic-Faktor: unentbehrlich für Vit B12-Aufnahme im Dünndarm Ulkus/Reflux/Gastritis ====================== - **Refluxösophagitis**: Entzündung der Speiseröhre durch Rückfluss von Magensäure - **Gastritis**: Entzündung der Magenschleimhaut (chronisch oder akut) - **Ulcus ventriculi** (Magengeschwür) - **Ulcus duodeni** (Zwölffingerdarmgeschwür) Ursachen Magensäure ↑, Eigenschutz Schleimhaut ↓, Rauchen, übermäßig Kaffee, Stress, NSAR, hochprozentige Alkoholika, unregelmäßiges Essen Gastroesophageal reflux disease (GERD) -------------------------------------- durch pathologischen Reflux von Mageninhalt ausgelöste entzündliche Erkrankung der Speiseröhre Symptome - Chronisches Sodbrennen; Rückfluss von Mageninhalt - Schmerzen oder Beschwerden in der Brust - Chronischer Husten, Halsentzündung und/oder Heiserkeit - Schlafstörungen und während der Nacht auftretende Symptome - Aufstoßen, Blähungen und Völlegefühl, Übelkeit - Unverträglichkeit bestimmter Nahrungsmittel - Säuerlicher Geschmack im hinteren Mundbereich  Behandlung Ulkus/Reflux/Gastritis --------------------------------- - Protonenpumpenhemmer (PPIs, „Magenschutz") - H2-Antihistaminika - Zytoprotektiva (Sucralfat und Misoprostol) - Antibiotika bei Helicobacter pylori Infektion - Symptomatisch: Antazida Protonenpumphemmer - **Prodrugs**; Wirkstoff selbst säurelabil → magensaftresistente Arzneiform nicht zermörsern, nicht teilen! - Nüchtern einnehmen! - **Indikation**: Ulkustherapie und -prophylaxe, Gastritis, Reflux - **UAWs**: Vitamin B12-Mangel, bakterielle Besiedelung des Magen, Schenkelfrakturrisiko steigt, Hypergastrinämie - **CAVE**: Dauerverschreibungen sollten periodisch hinterfragt werden, oft ohne Indikation Wirkungsmechanismus der PPIs - irreversibel Hemmung der H+ /K+ -ATPase - Regeneration des Enzyms nur durch Neubildung -- längere Wirkung trotz kurzer HWZ - Achtung Wechselwirkung Kriterien für die Verordnung eines PPI bei gleichzeitiger Therapie mit NSAR **Hohes Risiko für gastrointestinale Komplikationen bei NSAR Einnahme im Falle:** - Ulkus Anamnese mit Komplikationen - SSRI-Einnahme - Antikoagulantien Einnahme - Kortikosteroid Einnahme - Einer Anwendungsdauer von mehr als 2 Wochen und hohen Dosierung - Alter über 65 Jahre - Verordnung eines PPI obligatorisch; halbe Standarddosis! **Merke: bei Beendigung des NSAR Medikation sind die PPI ebenfalls abzusetzen !** Nexium ® (Esomeprazol) -- Sonde ------------------------------- Magensaftresistente Micropellets dispergieren möglich bei Schluckbeschwerden / Magensonde **NICHT MÖRSERN!** Ein Bild, das Screenshot, Text, Design enthält. Automatisch generierte Beschreibung H2- Antihistaminika - Meist Mittel der 2. Wahl - Hemmen H2-Rezeptoren im Magen und damit Säureproduktion - Weniger stark als PPIs - Rascher Wirkungseintritt -- Wirkdauer ca. 12Std. - 2 Std Einnahmeabstand zu anderen Arzneimitteln -- Beeinflussung der Resorption - Interaktionspotential - **Cimetidin** (Ulcostad®), **Famotidin** (Ulcusan®) Zytoprotektiva - **Sucralfat (Sucralan®)** bildet Schutzschicht an geschädigte Magenschleimhaut um Heilung zu fördern - **Misoprostol (Cyprostol**®) fördert Schleimhautbildung, hemmt Säuresekretion, meist in Kombipräparat verwendet - **CAVE**: wehenauslösend, daher kontraindiziert bei Frauen im gebärfähigen Alter ohne zuverlässige Schwangerschaftsverhütung - „Off-label" Use von Cytotec ®: Geburtseinleitung, Weheneinleitung bei Aborten **(Keine Zulassung in der Geburtshilfe, Schwangerschaftsabbruch zusammen mit Mifepriston)**  Helicobacter Pylori - Säureresistentes Bakterium (lebt in eigener „Ammoniakwolke", nistet sich in Schleimhaut ein) - Ansteckend, aber meist harmlos - **Mögliche Folgen**: Gastritis, Ulkus - **Eradikation**: Tripeltherapie - Kombination aus Amoxicillin, Clarithromycin und/oder Metronidazol + PPI über 7-14 Tage Antazida - Neutralisieren oder binden überschüssige Magensäure - Magnesiumcarbonat + Calciumcarbonat (Rennie ®) - Alginsäure + Calciumcarbonat + Natriumhydrogencarbonat (Gaviscon ®) - Aluminiumoxid + Magnesiumhydroxid (Maalox ®) - Magnesium-Aluminium-Komplex (Talcid ®, Riopan ®) - Vorteil von Kombinationen: Ausgleich unerwünschter Wirkungen - Bei **Gastritis, Magen-Darm-Ulzera** oder Reflux nur bei sporadischen, leichten Beschwerden - Kurzfristig in der Selbstmedikation, Einnahme 1-3 Stunden NACH Mahlzeit - Kann Ursachenbehebung (z.B. Lebensstiländerung) nicht ersetzen - **Interaktionen**: Hemmen Resorption bestimmter AM durch Komplexbildung (Eisen, Antibiotika) Laxantien ========= Obstipation -- Verstopfung -------------------------- = Weniger als 3 Stuhlgänge/Woche -- harter, trockener Stuhl Ursachen - Flüssigkeitsmangel - Gestörter Entleerungsreflex - Verzögerte Darmpassage - ungenügende Füllung bei ballaststoffarmer Ernährung - Endokrine Störungen (Diabetes, Hypothyreose), Störungen des Nervensystems - Medikamente: Psychopharmaka, Eisenpräparate, Opioide - Tumorerkrankungen, Entzündungen Therapie **Nicht-pharmakologische Methoden:** - Ballaststoffreiche Ernährung (Obst, Gemüse, Vollkornprodukte) - erhöhte Flüssigkeitsaufnahme - Körperliche Bewegung **Laxantien** als Dauertherapie nur unter ärztlicher Betreuung bei entsprechender Indikation (Opioide, Paraplegie, Tumorerkrankungen) - **CAVE**: Gewöhneffekt; Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust bei häufiger Anwendung einiger Laxantien Laxantienmissbrauch Ein Bild, das Text, Schrift, Reihe, Screenshot enthält. Automatisch generierte Beschreibung Laxantien Quell- und Füllmittel (eher im häuslichen Gebrauch) - Ileusgefahr! - langsamer Wirkungseintritt - Weizenkleie, Flohsamen, Leinsamen Osmotische Laxantien - Volumenzunahme durch erhöhte Ionenkonzentration im Darm - Wasser im Darm wird zurückgehalten - Stuhl wird weich, Peristaltik angeregt - Gefahr der Dehydration - Mittel der Wahl in der Geratrie - Zuckeralkohole - Lactulose Laevolac® - Macrogole -- Molaxole® Pulver, Movicol®, Dauereinnahme möglich Antiresorptiv und hydragoge Laxantien - Hemmung der Na- und Wasserresorptoin aus dem Darm - Nebenwirkung: Kaliumverlust - Verstärkung der Obstipation - Bisacodyl - Dulcolax® - Antrachinone (Sennesblätter, -früchte) Agiolax ® - Natriumpicosulfat -- Agafin®, Guttalax® - Nur für ein paar Tage nehmen dann wieder absetzen! Gleitmittel - Senken mechanischen Widerstand - Parrafin (kaum in Verwendung), Glycerinzäpfchen Stimulanzien des Defäkationsreflexes - Zäpfchen, Rektallösungen, Mikroklysmen - Rascher Wirkungseintritt [Wenn nichts mehr hilft: ] Periphere Opioid-Rezeptorantagonisten - Antagonist am µ Rezeptor im Darm - **Ind**: Opioid induzierter Obstipation - Methylnaltrexon -- Relistor® InjLsg 1xwo s.c. Peptid Rezeptoragonist - Agonist am Peptidrezeptor im Darm - Verstärkte Sekretion von Flüssigkeit im Darm - Steigerung der Magen-Darm-Motilität - Zusätzlich schmerzlindernde Wirkung - **Ind**.: Reizdarmsyndrom mit Obstipation - Linaclutid - Constella ® Kps; Einnahme 30min vor der Mahlzeit selektive Serotonin Rezeptor Agonisten - Bindung am Rezeptor der Magen Darm Motilität beeinflusst - Steigerung der Magen-Darm-Motilität - raschere Magenentleerung - **Ind**: chron-ideopathischer Obstipation - Prucaloprid - Resolor ® Laxantien im Kindesalter ------------------------ - Im Vordergrund Verhaltensmodifikationen und diätetische Maßnahmen - Bewegung - Wasser trinken - Obst- und Gemüse - „Stopfendes" (Bananen, Weißbrot, Fastfood, Kakao etc.) meiden - Säuglinge: Lactulose, Microklistier auf Sorbitol- oder Glycerinbasis (keine phosphathaltigen Lösungen) - Ab 2 Jahren: Macrogoltherapie bei chronischer Obstipation Antidiarrhoika ============== Diarrhö -- Durchfall = Gehäufte Entleerung (mehr als 3 x täglich) mit wässriger oder breiiger Konsistenz Ursachen - **Osmotische Diarrhö**: ungenügende Aufnahme osmotisch aktiver Substanzen aus dem Darm - **Sekretorische** **Diarrhö**: Erhöhte Wasser/Elektrolytsekretion -- oft bei Darminfekten -- - **Erhöhte** **Darmmotilität** („Stressdurchfall" durch überschießende parasympathische Gegensteuerung) - **Arzneimittel**-**Einnahme** (Magnesium, Antibiotika, Zytostatika) Therapie - richtet sich in erster Linien nach der Grunderkrankung -- Abklärung der Ursache - **Wichtigste Maßnahme**: Ersatz von Flüssigkeit und Elektrolyten WHO Trinklösung Die WHO-Trinklösung wurde als einfache, kostengünstige und effektive Behandlungsmaßnahme bei Durchfall erfunden. Sie ist eine standardisierte Lösung, die **Wasser** und **Glukose** (Traubenzucker) sowie die Elektrolyte **Natriumchlorid** (Kochsalz), **Natriumcitrat** und **Kaliumchlorid** enthält. **Elektrolytlösung bei Durchfall selbst herstellen:** - 4 Teelöffel Zucker - ¾ Teelöffel Salz - 1 Tasse Orangensaft - 1 Liter Mineralwasser Antidiarrhoika -- Obstipantien ------------------------------ Flüssigkeits -- und Elektrolytersatz - WHO Trinklösung - Normhydral® lösliche Pulver, Normolyt® lösliche Pulver Peristaltik Hemmer - Verlangsamen Magen-Darm-Passage durch Angriff an Opioidrezeptoren im Darm - symptomatische Behandlung - Loperamid -- Immodium®, Enterobene® - Opiumtinktur -- Dropizol Tr. (Suchtgift!) Adsorbentien - Aktivkohle -- Carbo medicinalis Pflanzliche Arzneimittel - Apfelpektin (Apfel mit Schale reiben, 15min stehen lassen) - Gerbstoffe -- getrocknete Heidelbeeren, Schwarztee (10min ziehen lassen) Loperamid ---------  - Opioidagonist mit lokaler Wirkung im Darm -- keinen Effekt auf ZNS - Ausgeprägter first-pass Effekt, systemische Bioverfügbarkeit 0,3% - Metabolismus über CYP 3A4, CYP 2C9 ∀ Kombination mit CYP Hemmern steigern die Bioverfügbarkeit (Verapamil, Chinin (Tonic Water) Grapefruitsaft - CAVE: schwere Herzrhythmusstörungen, Herzstillstand Zusammenfassung --------------- Ein Bild, das Text, Screenshot, Diagramm enthält. Automatisch generierte Beschreibung Morbus Crohn Colitis Ulcerosa ============================= **=chronisch-entzündliche Darmerkrankungen**  - Schubförmig verlaufend mit krampfartigen Bauchschmerzen, chronischen Durchfällen. - **Morbus Crohn**: gesamter Magen-Darm-Trakt betroffen, Fistel- Abszessbildung - **Colitis Ulcerosa**: betrifft ausschließlich das Kolon; Blutstühle (Kolorektalkarzinom als Komplikation) - Nicht heilbar -- lebenslange Therapie Therapie -------- Aminosalicylate (systemisch oder lokal) - Mittel der 1.Wahl beim aktuen Schub, zur Rezidivprophylaxe - Entzündungshemmende, immunsuppresive, antibakterielle Wirkung - Wirken vorwiegend lokal Magen-Darm-Trakt **Mesalazin** (Salofalk®, Pentasa®, Claversal®) -- bei oraler Gabe magensaftresistent und retardiert **Sulfasalazin** (Salazopyrin®) -- Prodrug aus Sufapyridin und Mesalazin, wird im Dickdarm durch die Darmbakterien in eigentliche Wirkform gespalten Immunsuppressiva und Immunmodulatoren - Azathioprin - Imurek® - TNF-α-Blocker; Heilung der Darmwandschäden und Reduzierung der Entzündungstätigkeit; Applikation: i.v. oder s.c. in mehrwöchigem Abstand Infliximab Remicade®, Adalimumab- Humira® Glukokortikoide - Bei aktuen Schüben - Topische Anwendung (Rektalschaum, Zäpfchen) - Budesonid: keine systemische Wirkung; Budosan® Rektalschaum, Budenofalk® Zäpfchen Antimetika ========== Definition Übelkeit (Nausea) Übelkeit ist das unangenehme Gefühl erbrechen zu müssen, häufig von vegetativen Reaktionen wie Blässe, kaltem Schweiß, Salivation, Tachykardie und Diarrhoe begleitet. Definition Erbrechen (Emesis)\ Erbrechen bezeichnet einen komplexen Vorgang, bei dem nach Verschluss des Pylorus und Relaxation von Fundus und Kardia Mageninhalt durch Kontraktion der Bauch- und Zwerchfellmuskulatur kraftvoll durch den Mund ausgestoßen wird. Antimetika ---------- Symptomatische oder präventive Behandlung von Brechreiz und Erbrechen Impulse aus dem oberen Verdauungstrakt zum Brechzentrum -- an der Auslösung beteiligt: Histamin, Dopamin, Serotonin H1 Anithistaminika - hemmen H1 Rezeptoren des Histamins - **Indikation**: Reisekrankheit, Schwindel - Dimenhydrinat - Vertirosan®, Travelgum® Prokinetika -- Dopaminantagonisten - blockieren periphere Dopaminrezeptoren - beschleunigen die Magenentleerung und Dünndarmpassage - **Indikation**: gastrointestinal bedingter Übelkeit, Schwangerschaftserbrechen - Metoclopramid - Paspertin® (Achtung: zentrale Wirkung -- Parkinson!) - Domperidon - Motilium® Serotonin-5HT3-Rezeptor-Antagonisten - Hochpotente Antiemetika - blockieren die 5HT3 Rezeptoren im Brechzentrum - **Indikation**: Zytostatika und Strahlentherapie induziertes Erbrechen - Ondansetron -- Zofran® - Garnisetron - Kytril® Scopolamin - Parasympatholytikum - Scopoderm® Pflaster Aprepitant (Emend®) - Antagonist am Neurokinin Rezeptor - im Brechzentrum Blockade der Entstehung von Erbrechen Zytostatika und Erbrechen ------------------------- ausreichende Prophylaxe von Übelkeit und Erbrechen bereits vor der ersten Zytostatikagabe - **Bei zu erwartender leichter Übelkeit**: Metoclopramid oral 0,5--1 Std. vor Therapiebeginn sowie vor den Mahlzeiten das Arzneimittel der Wahl - **Standard bei zytostatikainduzierten Erbrechen**: Serotoninantagonisten, etwa Ondansetron (Zofran ®) die mit Glukokortikoiden (z. B. Dexamethason) kombiniert werden. - Der Wirkstoff Aprepitant (Emend®) meist auch in Kombination mit Serotoninantagonisten und Glukokortikoiden eingesetzt. Phytopharmaka im Magen-Darm-Trakt - besonders bei leichteren Beschwerden gut wirksam - reizlindernd und entzündungshemmend - Appetit- und verdauungsanregend